Vermieter:
Sixt
Abholstation: Offenbach
Rückgabestation: Offenbach
KM-Stand Abholung: ca. 18.000
Gefahrene Kilometer: 1.120
Erhaltene Klasse:
FXMR
Erhaltenes Fahrzeug: BMW
335d (E90)
Motor: Sechszylinder-Dieselmotor in Reihenbauart mit Bi-Turbolader, Common-Rail-Einspritzung, 286PS und 580Nm
Ausstattung: Bi-Xenon mit Kurvenlicht,
Navigationssystem Professional, Mufu-Lenkrad, USB-Schnittstelle, Komfortzugang, Vollledersitze mit elektrischer Verstellung und Memoryfunktion, Glasschiebedach
Bereifung: 225er
Winterreifen mit V-Index
Durchschnittsverbrauch: BC 8,3l / errechnet 8,3l
Dauer: Wochenende
„Hallo Herr Z-P, ihr Auto ist noch nicht fertig. Es darf doch ein 3er sein?“ – „Ja.“
„335. Diesel. Automatik. Ist doch in ihrem Sinne, oder?“ – „JA!“
So hat es sich am Freitag zugetragen in einem Märchenland namens
Sixt Offenbach. Ich dachte ich träume, tatsächlich hat mir Erich mal einen 335er zugedacht. DER Diesel. DAS Fahrzeug, welches ich schon immer bewegen wollte. Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn, würde ein Landwirt dazu wohl sagen in meinem Fall. Erste Reaktion bei kaltem Motor: „Ah, endlich wieder sechs Zylinder.“ Entspannung machte sich breit…
Exterieur
Der 3er hat über die Jahre nichts an der Mischung aus Eleganz und Sportlichkeit verloren, zumal sich auf den Sechszylindern auch ganz vernünftige Felgen ab Werk befinden. Das weiße Lackkleid gefällt – nach ein paar Wochen hätte ich mich daran aber sicher satt gesehen. Ergo: M-Paket und schwarzer Lack, dann wäre er schon nah dran an der Perfektion.
Die Linienführung des E90 kann mittlerweile schon als klassisch bezeichnet werden, es wird also doch tatsächlich Zeit, dass der F30 kommt und seinen älteren Bruder in die wohlverdiente Rente schickt. Und sein wir mal ehrlich: Der normale Verkehrsteilnehmer kennt den 335d sowieso nur aus einer Perspektive: Der Heckansicht!
Die beiden Endrohre versprechen viel, und halten dies auch, wie sich später in diesem Bericht zeigen wird. Als Mieter eines 335d parkt man(n) zum samstäglichen Einkauf grundsätzlich vorwärts ein, um den vorbeischlendernden, gestressten Familienvätern beim Anblick der Endrohre und dem Schriftzug „335d“ am Heck zumindest für eine Sekunde ein zufriedenes Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Diesel beruhigen einfach, das sag ich ja immer
Interieur
Der Innenraum sieht aus wie bei jedem Standard-3er. Schnörkellose Aufgeräumtheit, hochwertige Materialien, alles hat seinen Platz. Mittlerweile wird es wirklich Zeit für etwas Neues nach meiner Meinung. Allein der hässliche Automatikwählhebel aus dem E39 ist ja schon eine echte Zumutung. Aufgefallen ist mir, dass man augenscheinlich Veränderungen an den Standardsitzen vorgenommen hat. Zumindest kamen mir diese wesentlich besser gepolstert vor als in der Vergangenheit. Rückenschmerzen gab es somit keine.
Motor/Getriebe
Was soll man(n) dazu noch schreiben? Am besten trifft es wohl wie so oft die Beschreibung meines alten Herrn: „335d? Mit dem hatte ich auch schon viel Spaß, der geht wie Ziege!“ Jo, recht hat er.
Das ist wirklich mal Druck in fast jeder Lebenslage. Jeder Kickdown ein Quell der Freude. Wer es nicht erlebt hat, der vermag gar nicht abzuschätzen, zu was allein diese erste Generation des 35d (in F01, F07, F10 etc. werden wesentlich neuere Versionen verbaut, mit mehr Leistung und weniger Verbrauch) in der Lage ist.
Leider haben auch andere Verkehrsteilnehmer Schwierigkeiten damit die Potenz eines solchen Fahrzeugs einzuschätzen. Bei 210km/h ausgequetschte Passat Variant machen selten Platz und wundern sich dann umso mehr, wenn dieser BMW auch bei solch hoher Geschwindigkeit noch problemlos an ihnen vorbeizieht. Der Durchzug ab 160km/h ist einfach faszinierend und stellt ungefähr das dar, was ich von einem Diesel erwarte: Reserven in jeder Lebenslage. Brutal. Geil. Führerscheingefährdend.
Und dabei wird der 35d nur zum Säufer, wenn er wirklich dauerhaft hohe Geschwindigkeiten bekommt. Im Minimum geht es wohl nicht unter 6,5l. Aber im Drittelmix konnte ich bei nicht grad schonender Fahrweise (auf der Rückfahrt gab es ein Kickdownfestival im dichten Verkehr) einen Verbrauch von 8,3l erreichen, was ich für sehr vertretbar bei der gebotenen Leistung in Verbindung mit einer Sechsgangautomatik halte. Ich bin der festen Überzeugung das Fahrzeug im Alltag mit 7,5l bewegen zu können, ohne Spaßverlust. Das von mir bewegte Exemplar scheint auf jeden Fall „schlecht eingefahren“ worden zu sein. Der Momentanverbrauch ging während meiner Mietzeit auch bei konstanten Geschwindigkeiten merklich zurück.
STOP-Schilder ignoriert dieser Motor gekonnt. Erst einmal gestartet gibt es einfach kein Halten mehr. Fahrleistungen, die noch vor ein paar Jahren der Porsche-Liga vorbehalten waren, sind hier für fast jeden Mieter verfügbar. Genial.
Das Getriebe hat dabei sicherlich seine besten Zeiten schon länger hinter sich. Klar, die Schaltvorgänge werden ziemlich ruckfrei absolviert, aber im Endeffekt passt die Übersetzung natürlich nicht mehr in die heutige Zeit. Meistens fährt mir das Getriebe 1-2 Gänge zu hoch, so dass manuelle Schalteingriffe (bspw. beim Dahinrollen im Stadtverkehr) nötig waren. Nach ca. 800km hatte das Getriebe diese Schaltwünsche glücklicherweise weitestgehend adaptiert.
Fahrwerk/Bremsen/Lenkung
Nun kommen wir zu einem wunden Punkt. So sehr ich das Fahrwerk des E90 auf der Landstraße auch liebe, auf der Autobahn ab 220km/h kriege ich ohne M-Paket ja schon fast Angstzustände. Da versetzt es das ganze Fahrzeug bei größeren Bodenwellen. Oder Seitenwind führt zu erhöhtem Pulsschlag. In so ein potentes Fahrzeug gehört das M-Fahrwerk und nichts anderes. Somit fällt es dann auch schwer trotz der Motorkraft in den Kasseler Bergen bspw. entsprechend Meter auf die Konkurrenz gutzumachen. Man(n) bremst doch öfter vor langgezogenen Autobahnkurven, als einem lieb ist. Ich denke beim F30 wird dynamic drive hier Abhilfe schaffen!
Die Bremsen sind über jeden Zweifel erhaben, und hier kann ich vielfältige Testbremsungen vorweisen, denn ständig zieht einem jemand vor die Kiste – wie gesagt, der 35d hat einfach einen Durchzug wie der Teufel, und damit rechnet kaum ein anderer Verkehrsteilnehmer.
Fazit
Der E90 in dieser Konfiguration ist schon ein Sahnestück. Klar, der 35d braucht bei ruhiger Fahrweise für heutige Verhältnisse zu viel. Aber niemand wird in der Lage sein diesen Motor jemals entsprechend ruhig zu bewegen. Die pure Leistung und vor allem der Durchzug laden immer wieder zum Kickdown oder starken Beschleunigen ein. Für meine Fahrweise wäre sicherlich der 25d ideal, aber trotzdem habe ich dieses Wochenende mehr als genossen! Die Begeisterung für die schiere Power dieses Triebwerks gepaart mit gleichzeitig moderatem Verbrauch wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Der 35d ist einfach ein Spaßgerät.