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peak_me

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Dienstag, 13. Januar 2015, 20:00

Nissan Sunny | Naniko in Yerevan


Im Spätsommer haben wir eine Bahnreise vom Kaspischen Meer nach Deutschland unternommen. Alle Verkehrsmittel haben ihre Vor- und Nachteile und zwischedurch wollte ich die Vorteile eines Autos nutzen. So haben wir in der Türkei einen Fiesta gemietet und in Armenien einen Sunny.
In Yerevan habe ich bei Naniko einen Lada Niva reserviert und hab mich schon so gefreut, wie all die anderen Lada-Fahrer dort durch die ehemalige Sowjetrepublik zu kurven. Doch der fiel kurzfristig wegen eines Unfalls aus und sonst war nur der Sunny verfügbar. Ich hatte keine Lust, halb Yerevan nach einem anderen Auto abzutelefonieren und so hab ich halt den genommen. 50 € pro Tag mit UNL, an die Versicherung kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich wollte unbedingt zum Mount Aragats und da hat Sunny uns auch gut hingebracht. Navi gab's nicht, aber wenn der Beifahrer anhand von google.maps immer die nächsten Orte ansagt, welche man durch die Straßenschilder auch finden kann, kommt man ans Ziel.
In Armenien fährt man einfach von A nach B unter Ausnutzung der ganzen Straßenbreite und versucht, auf dem Weg mit niemandem zusammenzustoßen. Man muss dauernd damit rechnen, dass die Autos vor einem urplötzlich ihre "Spur" wechseln oder jemand in die Straße "einbiegt". Ich habe mich überwiegend von der Fahrphysik und weniger von Verkehrszeichen leiten lassen. Augen auf, Abstand halten, beherzt ins Lenkrad greifen wenn nötig, Kurven mit angemessener Geschwindigkeit befahren. Man fährt dort einfach, so wie man es für richtig hält und mit gegenseitiger Rücksichtnahme läuft die Geschichte.

Das armenische Nummernschild fand ich über-cool und habe mich als richtiger armenischer Autofahrer gefühlt :)
Die Straße hoch zum Mount Aragats wurde immer schmaler, schlechter instandgehalten und weniger befahren. Autos fungieren in dieser Gegend dort ein wenig als Taxis, sodass ich ein paar Armenier entlang des Weges mitgenommen habe.
Mit zunehmender Höhe wich die brutale Hitze Yerevans einer angenehmen Kälte und es tauchten Nomaden mit ihren Zelten im Hochland auf. Diese produzierten auch Honig, der in Gläsern abgefüllt entlang des Weges mit einer Büchse zum Geldreinwerfen stand. Ich musste mich sehr auf die Straße konzentrieren, um den ganzen Schlaglöchern auszuweichen und war erleichtert, dass wir es wirklich bis zum Ende der Straße geschafft haben. Dort liegt in 3190 m Höhe der Lake Kari. Man kann sich dort auch mit dem Taxi oder mit Touristenbussen hochfahren lassen; es gibt dort zudem ein Restaurant und eine Unterkunft.

Es war schon zu spät, um es zu Fuß im Hellen zum Gipfel und zurück zu schaffen, aber bis zum ersten Schnee wollte ich unbedingt. Das hab ich tatsächlich geschafft und nach einer Schneerutsche sind wir wieder ins brütend heiße Yerevan runtergefahren. Oben standen wieder Anhalter, diesmal hab ich eine französische Reisegruppe mitgenommen.
Der Niva wär für die Strecke besser geeignet, die Straße wird schon recht uneben. Aber mit viel Gefühl bekommt man auch ein Auto wie den Sunny da hoch und runter und darüberhinaus hat er mir im sonstigen Verkehr auch gut gefallen. Der kleine Benziner heult fast ungedämmt auf, wenn man ihn tritt und auch sonst erinnern Aussehen und Verarbeitung an einen Kleinwagen. Aber was soll's, man ist tausend mal schneller auf dem Berg als zu Fuß.

Armenien und Yerevan zu besuchen kann ich sehr empfehlen. Yerevan erinnert mich an das, was ich von Berlin vor 15 Jahren im Kopf habe- wunderschöne Altbauten mit unsaierten Fassaden. Die Landschaft, die im Gebirge auftauchenden Nomaden und der Straßenverkehr lassen das Leben einfacher und direkter erscheinen. So wie man dort einfach fährt, ohne sich um zu viele Regeln zu scheren, scheint man auch zu leben.
Außerdem ist das Armenien! Das ist nicht Spanien oder so, sondern Armenien! Die Grenzen zur Türkei und zu Aserbaidschan sind geschlossen, für den Iran braucht man ein Visum, sodass wir nur durch Georgien rein- und rauskamen. Die Erinnerung an Armenien ist für mich die an eine Sackgasse am Ende der Welt, aber eine sehr liebenswerte Sackgasse mit wunderschöner Landschaft und herzlichen Bewohnern.

Schön war's, mit dem Sunny diesen Landstrich unseres Planeten ein wenig zu erforschen.

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Dienstag, 13. Januar 2015, 20:17

Vielen Dank für deinen Bericht!

Ich finde es gut, dass du oft Berichte von ungewöhnlichen Mietwagen und Orten zur Verfügung stellst.

Verrätst du uns noch, wie man auf die Idee kommt ausgerechnet in Armenien seinen Urlaub zu verbringen?
Das ist ja nun überhaupt kein übliches Touristenland und mit der Bahn braucht ihr doch mit Sicherheit einige Visa?
Wie genau verlief eigentlich die Bahnstrecke, wie lange seid ihr gefahren, wie oft musstet ihr umsteigen und was hat der ganze Spaß gekostet?

peak_me

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Dienstag, 13. Januar 2015, 20:32

Zitat

errätst du uns noch, wie man auf die Idee kommt ausgerechnet in Armenien seinen Urlaub zu verbringen?
Wir sind ja in Baku gestartet (hingeflogen) und sind dann mit der Bahn zurück nach Deutschland. Aserbaidschan deswegen als Ausgangspunkt, weil es schon sehr exotisch verglichen mit den Ländern der EU ist, aber dennoch nicht allzuweit vom gewohnten Europäischen entfernt ist. Die Länder danach wurden dann durch die Rückreiseroute bestimmt, wobei wir nach Armenien extra den Sackgassenumweg gemacht haben. Armenien, das klang für mich so interessant, dass ich da unbedingt hinmusste, wenn es nur einen Umweg von zwei(?) Tagen bedeutete.

Zitat

Wie genau verlief eigentlich die Bahnstrecke, wie lange seid ihr gefahren, wie oft musstet ihr umsteigen und was hat der ganze Spaß gekostet?
Niko hatte mich nach einem gesonderten Reisebrericht gefragt, den ich auch noch auf dem Schirm habe. Aber bis der fertig ist:
Bahnstrecke war nicht durchgehend, besonders in der Türkei sind wir viel Bus gefahren; zudem nach Griechenland mit der Fähre. Unterwegs waren wir drei Wochen, wir mussten oft umsteigen und verschlungen wurden etwa 500 bis 1000 € pro Person. Auf Zelt hatten wir diesmal keine Lust und haben immer in einem Hostel oder Hotel geschlafen - Übernachtungen sind in den von uns aus abgelegenen Ländern preiswert. Stationen waren: Baku - Tbilisi - Yerewan - Tbilisi - Trabzon - Izmir - Athen - Skopje - Belgrad - Budapest - Berlin.
Ein Visum brauchten wir nur für Aserbaidschan, in viele Ländern braucht man zudem auch nichtmal einen Reisepass, sondern ein Personalausweis reicht aus.

Edit: Ich hab im Bericht noch vergessen, dass die Übergabe und Rückgabe bei naniko.am freundlich verlief und alles in Ordnung war.
Da fällt mir ein, dass im Büro gegenüber ein Reiseunternehmen saß, dessen Chef mitbekommen hatte, dass ich Deutscher war. So hat er mich gebeten, einige Briefe vom deutschen Zoll zu übersetzen - das war sehr erheiternd.

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Dienstag, 13. Januar 2015, 21:44

Weiß jetzt nicht, was mich weniger reizt. Der Wagen oder Armenien als Urlaubsziel ^^.

Dennoch danke für den interessanten Bericht. So verschieden können Interessen sein :thumbup:
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Dienstag, 13. Januar 2015, 21:51

Zum Glück sind Interessen unterschiedlich. Wäre doch langweilig, wenn wir alle das gleiche gut fänden.
Danke für den - wieder mal - interessanten Mietwagen- und Reisebericht! :60:
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