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Googlefreak

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Sonntag, 10. Juli 2016, 18:08

Mercedes-Benz V250d 4matic (Starcar Köln-Ehrenfeld)

Mercedes-Benz V250d 4matic

Motor: Reihenvierzylinder
Leistung: 190 PS bei 3800 U/min
Hubraum: 2143 cm3
Max. Drehmoment: 440 Nm bei 1400 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 206 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h): 9,1 Sekunden


"Lebensgröße."
www.mercedes-benz.de/v-klasse

0. Das Vorwort

Die Klausurenphase steht an und so sucht man als Student verzweifelt Dinge, die viel wichtiger sind als Lernen oder die man immer schon Mal machen wollte. Nachdem meine Wohnung glänzt wie am ersten Tag, die Balkonpflanzen mit Dünger und Unkrautvernichter zugeschüttet und alle Rechnungen der vergangenen vier Jahre eingescannt und in Ordnern abgeheftet wurden, musste eine neue Beschäftigung her.
Beim Durchklicken der verfügbaren "kostenlosen Mieten" bei Starcar fiel dann plötzlich das Objekt der Begierde auf, das von Köln-Ehrenfeld nach Kiel gefahren werden wollte. Da für das Wochenende sowieso ein Trip in die Heimat Richtung Norden mit dem Fernbus geplant war, musste ich nicht lange überlegen sondern habe direkt gebucht.

1. Die Abholung

Am Freitagmittag war es dann endlich soweit und die Abholung stand an. Knapp 20 Minuten vor Mietbeginn bin ich in die Station marschiert und nach kurzer Wartezeit von einem jungen Mitarbeiter hinter dem Counter begrüßt worden.
Kurzes aufrufen der Reservierung, vorzeigen von Personalausweis, Führerschein und Kreditkarte, und eine Unterschrift mit dem Finger auf dem Tablet, dann konnte es losgehen. Ich bekam einen handgeschriebenen Zettel, welchen ich dem Kollegen auf der gegenüberliegenden Straßenseite in die Hand drücken sollte.
Der ebenfalls junge und freundliche Mitarbeiter musste nicht lange nach dem Schlüssel suchen und schlug vor den Wagen vorzufahren, damit man gemeinsam nach Schäden suchen könne.
Keine Minute später rollte der große Benz mit dezentem Nageln des Diesels um die Ecke und blieb vor mir stehen, was mich für einen kurzen Moment sprachlos werden ließ.


Neben mehreren schwarzen und weißen V-Klassen, die auf den ersten Blick alle identisch ausgestattet waren, erhielt ich das einzige Fahrzeug mit einer etwas mutigeren Farbwahl.
Der Wagen hatte gerade einmal 170 Kilometer gelaufen und noch keinen Mieter gesehen, ich war demnach der Erste. Bisher wurde die V-Klasse nur vom Händler nach Köln bewegt, was sie leider nicht ganz unbeschadet überstanden hat. So mussten neben einem kleinen Steinschlag außerhalb des Sichtfeldes auch zwei Kratzer auf einer AMG-Felge festgehalten werden, die wohl bereits Kontakt mit einem Bordstein hatte.
Obwohl im Mietvertrag ein Tankstand von 100% festgehalten wurde, fehlte bereits ein Balken der Tankanzeige. Aus diesem Grund hat der Checker den Wagen an eine Zapfsäule der angrenzenden Tankstelle gefahren, die Zapfpistole schaltete sich jedoch direkt wieder ab.
Wir einigten uns darauf, dass die Tankanzeige wohl noch nicht kalibriert ist und ich konnte meine Fahrt endlich starten.

2. Die Ausstattung

Das Fahrzeug war Starcar-typisch sehr gut ausgestattet, was unter Anderem folgende Highlights umfasste:

Ausstattungslinie Avantgarde mit AMG Line, schwarze Ledersitze mit Sitzheizung vorne, 4-Zonen Klimaautomatik, Audio 20 CD mit Garmin MAP PILOT, 360 Grad-Kamera, Burmester Soundsystem, beledertes Multifunktionslenkrad mit Schaldpaddles, Armaturenbrett mit Kunstleder (Artico) überzogen, Panorama Glasschiebedach, elektrische Heckklappe und hintere Seitenfenster, Tisch (klappbar), Tempomat, Spurhalteassistent, Totwinkel-Assistent, Licht- und Regensensor

Durch die Kombination von Außenfarbe, abgedunkelten Fenstern und der AMG Line mit den entsprechenden AMG-Felgen fällt man mit diesem Fahrzeug definitiv auf.


Richtig spannend wird es aber eigentlich erst, wenn man die große Fahrertür öffnet und den Fahrerthron erklimmt, während einem der Ledergeruch in die Nase steigt.
Das Cockpit erinnert stark an die Designsprache der aktuellen C-Klasse und Gemeinsamkeiten finden sich überall im Innenraum wieder.
Obwohl man relativ hoch sitzt und sich wie ein LKW-Fahrer fühlt, vermittelt das Cockpit, beispielsweise im Gegensatz zum VW Multivan, durch Sportlichkeit eher das Gefühl eines PKWs.


Das Highlight, auch wenn ich nur im Stand in den Genuss kam, fängt definitiv ab der zweiten Reihe an.
Hier steigt man durch die breite Schiebetür in den Mittelpunkt von fünf komfortablen Sitzen, wovon zwei entgegen und drei in Fahrtrichtung eingebaut und auf Metallschienen befestigt sind. In der Mitte der zwei Sitze ist gerade genug Platz für einen Aufsatz, aus dem zwei Tische ausgeklappt werden können.
Durch die großen Fensterfronten auf beiden Seiten kann man die Umgebung gut im Blick behalten, während diese durch die getönten Scheiben kaum durch gucken können. Gleiches gilt für das phänomenale Panoramaglasdach, welches sich im vorderen Bereich ausstellen und zur Hälfte öffnen lässt. Hierdurch ist der Innenraum trotz schwarzen Sitzen und schwarzem Dachhimmel lichtdurchflutet, hell und freundlich.


Der Kofferraum ist von der Größe her typisch für einen Kleinbus und kann durch verschieben der Sitze noch weiter vergrößert werden. Die wuchtige Heckklappe geht auf Knopfdruck langsam auf, hierbei darf man die Länge und den daraus resultierenden benötigten Platz aber keinesfalls unterschätzen, sonst sammelt man schnell Macken am Rand.


3. Das Fahren

Kaum hat man den bekannten und formschönen Schlüssel im Schloss umgedreht, knurrt der Selbstsünder mit vier Zylindern auf und senkt den Geräuschpegel direkt wieder auf ein Minimum. Zur Bedienung der 7-Gang Wandlerautomatik ist ein Wahlhebel dort angebracht, wo üblicherweise der rechte Lenkstockhebel sitzt. Bremse treten, Wahlhebel zwei Positionen nach unten drücken und schon merkt man durch einen kleinen Ruck, wie der Motor leicht gegen die Bremse arbeitet.
Sowohl Beschleunigen als auch Bremsen fühlt sich so an, wie man es in einem Fahrzeug dieser Größe erwartet: Das Gaspedal muss gefühlt zur Hälfte durchgedrückt werden, damit der Wagen überhaupt schneller wird. Die Bremse reagiert schon etwas früher, es ist aber, verglichen mit anderen PKWs, enorm viel Kraft nötig, um das Pedal zu betätigen. Die Lenkung ist eher leichtgängig, der benötigt Lenkaufwand erhöht sich allerdings mit der gefahrenen Geschwindigkeit.
Das Fahrwerk lässt Unebenheiten bei geringen Geschwindigkeiten stärker in den Innenraum dringen, was sicherlich auch den 19 Zoll Felgen und dem Sportfahrwerk geschuldet war. Bei höheren Geschwindigkeiten federt es ungewünschte Erschütterungen deutlich besser weg, weswegen komfortables Reisen kein Problem ist.
Bei schärferen Bremsmanövern und flotten Kurvenfahrten taucht die Karosse nach vorne ein bzw. neigt sich zur Seite, was bedingt durch die Bauart sicherlich unvermeidlich ist. Insgesamt ist das Fahrwerk zum entspannten Cruisen gut ausgelegt.

Unterstützt wird man beim Fahren durch unterschiedliche Assistenten. Zum einen hilft der serienmäßige Seitenwindassistent die V-Klasse auch an stürmischen Tagen sicher in der Spur zu halten, ohne dass man den Eingriff bewusst wahrnimmt. Der Spurhalteassistent behält durch eine Kamera, die hinter dem Innenspiegel sitzt, die Fahrbahnmarkierung im Auge und lässt das Lenkrad vibrieren, falls eine Linie ohne Setzen des Blinkers überfahren wird. Ein aktives Gegenlenken, wie man es aus der aktuellen S-Klasse kennt, erfolgt nicht.
In den Außenspiegeln sind kleine Dreiecke integriert, die in Verbindung mit dem optionalen Totwinkel-Assistent aufleuchten, wenn sich ein Fahrzeug im Bereich neben der V-Klasse befindet. Das Ganze hat bei mir gut funktioniert und wurde als nützlich empfunden, weil die B-Säule sehr breit ist und das Blickfeld damit stark einschränkt.
Durch die 360 Grad-Kamera ist das Einparken und Rangieren ein Kinderspiel. Das System errechnet aus 4 Kamerabildern eine Draufsicht von oben, die auf dem Infotainmentmonitor dargestellt wird. Rangieren ist damit vergleichbar zu einem 2D-Handyspiel, wie es auf den ersten Nokia Handys mit Farbdisplay vorinstalliert war.


Der Motor ist beim Fahren angenehm ruhig, nur ab 2000 U/min drängt ein leichtes Dröhnen und Vibrieren zu den Fahrgästen durch. Mit 190 PS hat man genügend Leistungsreserven, um auf dem Beschleunigungsstreifen einen LKW zu überholen, der sich neben einem befindet.
Drückt man das Gaspedal stärker durch, reagiert die 7G-Tronic Plus zügig und schaltet einen oder zwei Gänge zurück. Nach dem Beschleunigen hält sie einen niedrigeren Gang aber häufig länger als nötig, sodass man circa zwei Sekunden hochtourig fährt, obwohl die Geschwindigkeit auf ebener Strecke nur gehalten wird.

4. Der Verbrauch

Nach 620 Kilometern zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 7,1 Liter/100 Kilometer. Errechnet waren es ziemlich genau 7,6 Liter/100 Kilometer, wobei die V-Klasse zu 85% auf der BAB, zu 10% in der Stadt und zu 5% auf der Landstraße bewegt wurde.
Mein Ziel war es, den Verbrauch möglichst gering zu halten, weswegen ich sehr vorausschauend und ohne unnötige Bremsmanöver gefahren bin. Auf der vollen A1 gab es relativ viel Stau und stockenden Verkehr, ansonsten stand der Tempomat auf max. 130 km/h.
Trotz der spritsparenden Fahrweise bin ich wirklich begeistert vom Verbrauch, wenn man bedenkt, dass es sich um einen über 2 Tonnen schweren Neuwagen mit Automatikgetriebe und Allradantrieb in Verbindung mit dem cw-Wert eines IKEA-Regals handelt.
Wenn man das Gas gerne auch mal fester durchdrückt und auf der Autobahn die V-Max erreichen möchte, muss man aber definitiv mit Verbräuchen im zweistelligen Bereich rechnen.


5. Die Abgabe

Die Rückgabe in Kiel verlief kurz aber herzlich. Ein junger Checker, kaum älter als ich, nahm das Fahrzeug entgegen und während er nach Schäden suchte, unterhielten wir uns über den (Un-)Sinn, die AMG Line statt des Comand Online zu ordern.
Nach wenigen Minuten durfte ich den Hof zu Fuß verlassen. Bevor die V-Klasse aus dem Sichtfeld verschwand, drehte ich mich noch einmal um. Fast alleine stand sie auf dem großen Hof und blinkte mir zum Abschied noch dreimal zu.


Allen, die bis zu diesem Punkt durchgehalten haben, möchte ich herzlich für's Lesen danken!
Jetzt ist mein Kopf auch wieder frei, sodass ich mich zum Lernen motivieren kann ;)

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