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  • »blitzerflitzer« ist der Autor dieses Themas

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Dienstag, 15. November 2016, 17:42

Infiniti Q30 2.2d | Europcar

Da ich für das Wochenende ein Auto benötigte, schaute ich mich bei den üblichen Verdächtigen nach etwas Interessantem um. Bei Europcar am Dresdner Flughafen funkelte mich die Front eines Infiniti Q30 an. Ich hatte ihn schon einmal zufällig an der Dresdner EC-Stadtstation gesichtet und auf Grund des dynamischen Äußeren und wertigen Interieurs auf meine Wunschliste gesetzt. Da ich noch meinen Privilege-Gutschein für eine kostenlose Wochenend-Miete hatte, notierte ich das Kennzeichen und ging zum Europcar-Schalter. Das Auto war gerade eingetroffen und noch verfügbar. Also habe ich über den Gutschein-Link eine Reservierung eingespielt, die notwendigen zwei Stunden Vorreservierungsfrist wurden von der RSA manuell auf den aktuellen Zeitpunkt angepasst. Da der Gutschein für ein Compact-Modell gültig ist und der Infiniti in Compact-Elite läuft, einigten wir uns auf einen überschaubaren Aufschlag. Dann hielt ich schon den Schlüssel und den Mietvertrag in der Hand.

Zurück im Parkhaus nahm ich den Wagen noch einmal genauer auf Schäden in Augenschein. Laut Vertrag hatte er drei Vorschäden. Dazu kamen dann noch fünf weitere, darunter so offensichtliche wie die jeweils zu einem Viertel verkratzten vorderen Felgen. Einen vorbeikommenden Checker fragte ich, ob er die neuen Schäden aufnehmen könne. Ein wenig mißmutig erkundigte er sich, wo ich denn noch etwas entdeckt haben wolle, da er ja das Auto doch gerade fertig gemacht habe. Nachdem ihm die von mir gefundenen offensichtlichen Mängel recht unangenehm waren, ergab sich trotzdem noch ein nettes Gespräch mit ihm. Nach der Aufnahme begleitete er mich noch zurück zum EC-Schalter, wo ich einen ergänzten Mietvertrag erhielt.













Der Q30 dürfte in meiner längeren Mietwagenlaufbahn der erste Wagen sein, den ich fast mit Komplettausstattung in Besitz nehmen konnte. Bis auf die Privacyverglasung der hinteren Fenster war alles verbaut, was die Sonderausstattungsliste hergibt. Dazu zählen unter anderem:
  • 2,2 Liter-Diesel-Motor mit 170PS, der scheinbar von Mercedes stammt
  • 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
  • 19" Felgen
  • adaptiver Tempomat
  • 7"-Touchscreen-Infotainment-System
  • Bose-Soundsystem
  • Nappa-Leder für Sitze und Armaturenbrett
  • elektrische Vordersitze mit Memory-Funktion
  • KeylessGo (der Startknopf war nicht mehr vorhanden)
  • 360°-Kamera und automatischer Parkassistent
  • LED-Scheinwerfer mit adaptivem Kurvenlicht
  • Klimaautomatik
  • Assistenten: Verkehrszeichen, toter Winkel, Spurhalte, Fernlicht
Die gesamte Konfiguration mit einem Listenpreis von 43.420 Euro könnt ihr hier finden. Eine vergleichbar ausgestattete A-Klasse läge bei über 50.000 Euro.







Mit bereits 26.000 gelaufenen Kilometern dürfte der Wagen das Ende seiner Mietwagenkarriere bald erreicht haben, das würde man dem Innenraum nicht wirklich anmerken, wenn einer der Checker mit einem feuchten Tuch sich kurz ausgetobt hätte. Dann würde man sich im sehr wertigem Ambiente noch besser aufgehoben fühlen. Denn der Innenraum muss sich nicht hinter den deutschen Nobelmarken verstecken. Ganz im Gegenteil, das Leder fühlt sich hochwertiger an, als das Standardleder was im 5er verarbeitet wird und insbesondere die neue E-Klasse hatte mich in der Sixt-Ausstattung mit dem billigem Kunstleder sehr enttäuscht. Die Holzapplikation mag nicht jedermanns Geschmack sein, ich fand sie allerdings nicht deplatziert. Nur der Klavierlack-Teil im unteren Bereich des Mitteltunnels kann sich mit dem Pendant in der C-Klasse ein "Qualitäts"-Wettrennen liefern.





Dass der Q30 einer Kooperation mit Mercedes entstammt bemerkt man bei einem Blick auf einige der Armaturen schnell, da diese komplett von Mercedes übernommen wurden. Sei es die Sitz- und Spiegel-Verstellung, das Klimabedienteil oder die komplette Tachoeinheit. Durch die Übernahme der Mercedes-Armaturen hat der Q30 auch die unglückliche Doppelbelegung des Blinkerhebels mit der Scheibenwischersteuerung geerbt, wobei das im Infiniti keinen Nutzen bringt, da der Gangwahlhebel auf dem Mitteltunnel sitzt und die rechte Seite des Lenkrades einfach leer ist.



Das Infotainment-System ist nicht von Mercedes übernommen wurden und in Optik sowie Bedienung eine Generation hinter dem aktuellen Stand von BMW und Audi zurück. Die Zieleingabe für die Navigation kann z.B. nicht in einem Stück gesprochen werden sondern muss separat in Ort, Straße, Hausnummer erfolgen. Eine nützliche Idee hatten die Entwickler aber auch: man kann per Sprachbefehl einen Musiktitel suchen lassen. Das funktioniert zwar noch nicht wirklich zuverlässig, wäre für die Zukunft aber eine nützliche Hilfe bei großen Musiksammlungen.







Dass einer der Bose-Lautsprecher bereits ein unschönes Dröhnen von sich gaben, war etwas überraschend. Das mehrmalige Knistern aus dem Bereich hinten rechts konnten sie aber nicht übertönen.

Auf den vorderen Plätzen sitzt man angenehm aber überraschend hoch, das erinnerte mich von der Sitzposition eher an den GLA als die A-Klasse. Die Platzverhältnisse auf den hinteren Sitzen dürfte dem Kompakt-Segment angemessen sein, bei großen Fahreren ist halt wenig Platz zu erwarten. Bei der Kofferraumgröße gibt es gefühlt keine großen Unterschiede zur A-Klasse.







Beim Kaltstart ist der Motor noch deutlich vernehmbar, nach einigen Minuten Fahrt hält er sich aber angenehm im Hintergrund. Dadurch hört man gut die Windgeräusche, welche ab etwa 130 km/h recht deutlich vernehmbar sind. Das Getriebe schaltet unter Last teilweise recht ruppig, wobei ich nicht zu sagen vermag, ob das an der Behandlung des Mietwagens liegt oder serienmäßig ist. Als Sportgerät ist der Wagen nicht wirklich nutzbar, das liegt weniger am Motor, mit dem man recht zügig unterwegs ist, sondern am eher auf Komfort ausgelegtem Fahrwerk. Dieses versetzt das Auto insbesondere in schnellen Kurven in recht deutliche Schwankbewegungen, die mich zügig zu einem eher dahingleitenden Fahrstil brachten. Dank verbautem adaptivem Tempomat, ICC(Intelligent Cruise Control) genannt, ist aber eine sehr entspannte Reise von A nach B möglich, von Fahrspaß möchte ich allerdings nicht sprechen.



Der Verbrauch lag mit 6,9 Litern pro 100 Kilometern etwas hoch. Hatte ich doch auf vergleichbarer Strecke mit ähnlichem Fahrstil mit einem aktuellen E200 vor einiger Zeit ohne größere Anstrengung eine 5 vor dem Komma erreicht. Am nicht komplett gefülltem Tank lag es wohl eher nicht, die Tankanzeige rührte sich erst nach etwa 80 Kilometern.



Fazit
An der Markenwahrnehmung muss Infiniti in Deutschland noch massiv arbeiten, um Kunden zu gewinnen. Die Tipps, um welche Marke es sich bei dem Auto wohl handele, gingen von Volvo über Lexus bis Tesla. Mit dem Namen Infiniti konnte kaum eine der Personen, mit denen ich mich über das Auto unterhalten habe, etwas anfangen. Da hat die Kooperation mit Herrn Vettel wohl leider nicht den erhofften Effekt gebracht. Schade eigentlich, denn der Q30 hätte es verdient. In der gefahrenen Ausstattung würde ich ihn aktuell den Kompaktklassen der deutschen Premiumanbieter vorziehen, wenn ich entspannt und ohne sportliche Ambition unterwegs sein möchte.

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