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lieblingsbesuch

Hat den Wegfall des Klinkensteckers überlebt.

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Samstag, 25. März 2017, 02:08

Cadillac XTS 3.6 V6 (2017) I Alamo Miami International Airport

Cadillac XTS 3.6 (2017) I Alamo Miami International Airport

Anmietzeitraum: 21 Tage (März-April)
Kosten: 1100 EUR (ADAC)

Preis: 59.000 vor Steuern
Gefahrene Meilen: 1994 (3200 km)
PS: 304

1. Anmietvorbereitungen
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Es stand das Zweijahresprojekt „USA-Reise Ostküste” von mir und meiner Freundin an und natürlich war ich für den Teil des Mietwagens zuständig. Die Recherche zog sich über längere Zeit hin, weil es doch etwas anders ist, in Amerika zu mieten. Beispielsweise fiel Sixt raus, weil die AGB dort untersagten, in andere Bundesstaaten als Anmietstaat+Nachbarstaat zu fahren. Auch Europcar etc. brachten keinerlei brauchbaren Angebote.
Als beste Lösung kristallisierte sich Alamo als größter und günstiger Anbieter heraus.
In Anbetracht der angepeilten Kilometer (6500 km) buchte ich direkt über alamo.de die größte verfügbare Non-SUV-Klasse „Luxury” mit 0EUR SB für 900 EUR.
Allerdings erfuhr ich mit der Zeit, dass es äußerst ratsam ist, eine Haftpflicht dazuzubuchen. Das hätte über Alamo im Rahmen eines Art Super-Cover nochmal 400 EUR extra gekostet.
Unterm Strich machte der ADAC das Rennen, dort konnte man dieselbe Klasse für 1100 EUR inkl. SB 0, Haftpflicht bis 1 Mio EUR buchen. Wahrscheinlich immer noch optimierungsfähig, aber ich wollte für so eine Reise ins unbekannte lieber auf Nummer sicher gehen.

2. Anmietung
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Nachdem wir vom TXL mitten während des Streikes (an diesem Tag flogen gerade mal ca. 10 Flüge statt ca. 600) etwas erschöpft in Miami ankamen, ging es zum ALAMO-Schalter. Dort musste ich zum ersten mal in meiner nun fast zehnjährigen Mietkarriere mal anstehen - Es warteten ca. 30 Leute vor mir. Diese verteilten sich allerdings auf 10 RSA, es war also kein Problem.

Als ich dran war, war wieder alles wie gewohnt, inklusive unangenehmem Versicherungsblabla, der RSA behauptete trotz Vouchers, ich müsste „pay for every scratch”, mir war das dann zu blöd ihm zu erklären, dass mein Tarif alles abdeckt und bin dann mit Legitimation in die Tiefgarage abgedüst.

In den USA bekommt man - zumindest bei den größeren Stationen - kein Auto zugeteilt, sondern man kann es sich direkt aussuchen (da kann sich Deutschlandm mal eine Scheibe von abschneiden). Alamo, National und Enterprise teilen sich eine Flotte, es ist im Grunde genommen also egal, bei wem man anmietet. Das Produkt ist dasselbe. Die Fahrzeugauswahl ist bis intermediate paradiesisch - das Parkhaus erreicht ungeahnte Dimensionen, es stehen bestimmt 600 Mietwagen bereit. Auf den zweiten Blick sind davon allerdings gefühlt 80 % Minivans. Für die höchste Klasse „Luxury” standen genau drei Autos bereit, und alle drei waren Cadillac XTS in der zweitniedrigsten Ausstattung „Premium”. Allerdings war das per se nichts schlechtes, ich wollte für die volle Experience sowieso einen Ami und nahm den mit der geringsten Mileage.
Er hatte eine kleine Macke und ein paar Scratches, stand aber insgesamt ganz gut da. Schäden werden mit einer Schadenschablone beurteilt, wie es sie auch in Deutschland bei enterprise gibt, was ich ebenfalls sehr fortschrittlich und realistisch finde. So werden Felgenkratzer z.B. gar nicht erhoben und alle Dents, Scratches etc. in etwa der Größe einer Handfläche fallen auch raus. Das macht die Schadenaufnahme sehr objektiv und man muss schon was größeres rammen („major damage”), damit es auch wirklich aufgenommen wird.
Diese Mentalität ist mit Sicherheit darin begründet, dass Amerikaner ihr Auto viel mehr als Arbeitsmittel sehen als Deutsche, wo ja jeder Yaris schon zum Heiligtum erhoben wird.





3. Exterior
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Der XTS genießt ob seines Designs hier keinen guten Ruf, was ich bis heute nicht verstehe. Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass die wenigsten ihn für etwas länger gefahren sind. Wenn man vor ihm steht, wirkt das Design von allen Seiten äußerst gefällig und edel. Die Formensprache ist konsequent (wird auch im Innenraum fortgesetzt) und sie setzt sich eindeutig von anderen Mitbewerbern ab. Einen Lincoln Continental beispielsweise erkennt man nicht so eindeutig im Straßenbild. Selbst mein erster AirBNB-Host lobte das Design, obwohl recht viele davon rumfahren. Es ist fast egal, von welcher Seite man schaut, überall entdeckt man Stillinien in Form des Cadillac-Emblems.
Es sind noch diverse Lichtspielereien zu entdecken, wie beispielsweise die beleuchteten Türgriffe und das steltsam platzierte Rückwärtsparken-Licht.
Alles in allem gab es in diesem Kapitel nichts auszusetzen, bis auf die mangelnde Abgrenzung zwischen den Markeninternen Modellen. Ein CTS beispielsweise sieht fast gleich aus.


4. Interior
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Wie es sich von Innen anfühlt, ist eigentlich wichtiger. Die Qualität darf man sich ein bisschen wie das Kind von einem 5er BMW und einem Ford Mondeo vorstellen. An der Qualität der Sitze ist nichts auszusetzen, und auch der Lederbezug mit den Holzintarsien ist ganz schön. Hier kann man die Anmutung in etwa mit der eines 5ers vergleichen. An manchen Stellen, wie z.B. der Tür und dem Instrumentencockpit kommt allerdings der Mondeo zum Vorschein. Es wirkt manches verblüffend billig.
Trotz zweitniedrigster Ausstattungsvariante, kommt dieser Ami quasi mit einer "Vollausstattung" daher. Wirklich fehlen tut es an nichts. Vorhanden war z.B.
- Belüftete Sitze (gehen automatisch an je nach Temperatur)
- Tempomat
- Volllederausstattung
- Keyless Go komplett
- Bose Soundsystem
- Lenkradheizung
Die komplette Ausstattungsliste findet man unter:
http://www.cadillac.com/sedans/xts-sedan…features/383125


Auch im Inneren des Fahrzeuges sieht man noch eine Menge Hommages an das Cadillac Emblem, so sind beispielsweise die Lüftungsschlitze so geformt. Ein witziges Gimmick ist auch das "Geheimfach", welches man durch antippen des untersten Metallstreifens aufkriegt. Hier ist ein dritter USB-Port und ein Platz für Wireless Charging. Ausserdem ist das Fach klimatisiert.



4.1. Infotainment
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Das "CUE2" genannte Infotainmentsystem steht dem eines 2010er Ford Mondeos mit Sicherheit in nichts nach. Bedient wird komplett per Touch, die Resonanz gerade noch so akzeptabel. Es gibt keinen einzigen mechanischen Button, die Taktilität erfolgt wie beim iPhone 7 über einen taktilen Sensor. Insgesamt ist die Eingabe gerade noch so akzeptabel, kommt aber bei weitem nicht an mechanische Tasten ran.
Die Navigation kann dank fehlenden SiriusXM-Abos lediglich von A nach B leiten. Stauumfahrung ist nicht. Die Kartendarstellung ist schrecklich. Sie ist immer im Nachtmodus, und wenn man etwas zu weit rauszoomt, sind keinerlei Straßen mehr eingezeichnet. Also wirklich keine. Nur ein Strich, auf dem man fährt.
Kopplung per iPhone funktioniert gut, MP3-Wiedergabe auch, allerdings ohne Titelauswahl. Es geht nur vor/zurück. Immerhin geht Carplay. Insgesamt gesehen ist das CUE2 eines Premiumautos nicht würdig.
Das Instrumentencluster ist leider nicht volldigital, jedoch völlig ausreichend. Das Display besteht aus drei Kompartimenten, dessen Informationen sich relativ frei auswählen lassen. Ich bin meistens mit Restkilometer I Geschwindigkeit I Fuel Efficiency gefahren.

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4.2. Wohlfühlen
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Der XTS hatte ein Ambientelicht, welches sich von den Türen zum Handschuhfach zog. Es war recht angenehm und modern, ließ sich allerdings nur mit den gesamten Instrumenten dimmen. Komischerweise waren die Lampen im Fußraum nicht an, obwohl welche vorhanden waren (gingen an beim Aussteigen).
Die Sitze waren gemütlich und recht gut einstellbar. Absolut langstreckentauglich. Insgesamt zusammen mit der guten Klimaanlage und der Lenkradheizung absolut langstreckentauglich.


5. Fahren
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Der 3.6 L große V6 mit guten 300 PS ist das mindeste an Motor, was für dieses Auto zu haben ist. Natürlich braucht man diese Leistung unbedingt, um die max. 120 km/h zu erreichen, welche an der gesamten Ostküste vorgeschrieben sind....
Der Motor ist natürlich absolute Sahne, vor allem mit der guten Automatik. Zusammen mit der hervorragenden Dämmung (wesentlich besser als ein 5er) und der Magnetic-Ride-Federung säuselt man auf den Highways nur vor sich hin.
Ich hätte gerne mal geschaut, was der Motor so kann. Schade, dass es so viele Limits gibt. Ich habe ihn nur einmal auf einer verlassenen Straße auf 120 MPH gedrückt. Hierbei fehlt zwar der Punch unten, den wir von Dieseln gewohnt sind, die Leistungsentfaltung ist jedoch über das gesamte Spektrum gleichbleibend sehr gut. Ich bin mir sicher, auf deutschen Autobahnen würde er ordentlich Spaß machen.
Die Fuel Economy hielt sich mit 30 MPG (= ca. 8 L / 100 km) in Grenzen, bei den gefahrenen Geschwindigkeiten geht das aber sicherlich besser.
Besonders negativ ist mir aufgefallen, dass der Wagen keinerlei Assistenten hat. Dadurch, dass der linke Außenspiegel bei den Amis quasi eine riesige Lupe ist, hat man einen toten Winkel, wo problemlos ein F150 drin verschwinden kann. Wenigstens einen Toten-Winkel-Assistent hätte ich gern gehabt.

6. Ende
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Nachdem der Wagen nach ca. 3200 gefahrenen Kilometern nur noch 10 % Oil Life anzeigte, rief ich Alamo an und fragte, was ich machen solle. Sie boten mir einen Tausch an, oder dass ich zu einer Vertragswerkstatt fahren könnte (Goodyear, Firestone). Ich dachte mir, dass ein Tausch schneller gehen würde als ein kompletter Ölwechsel und steuerte den Airport in Washington D.C. an. Vorherige Vereinbarungen scheinen nicht nötig, weil wohl alle großen Stationen immer genug Kapazitäten in allen Klassen haben (Mietwagentalker in Heaven). Das getauschte Fahrzeug war letztendlich der Hammer, aber das kommt in einen anderen Erfahrungsbericht.

7. Tl;dr
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Der XTS ist ein außergewöhnliches Sahneauto für die Langstrecke. Infotainment ist grauslig, aber immer noch besser als im Jaguar. Alamo bietet recht guten Service und ist zu empfehlen.

Weiter geht es dann hier:

Audi A8L 3.0T Amerika-Edition (2017) I Alamo Washington Airport
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"Miete bei Sixt oder miete nicht bei Sixt - du wirst beides bereuen"

- Albert Einstein

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