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koelsch

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Dienstag, 4. April 2017, 22:48

Audi A6 Avant | Starcar Köln Dellbrück



Audi A6 Avant - eine Hommage, ein Abschied




Ich habe mir den Zusatz [Kurzeindruck] verkniffen. Handelt es sich doch beim A6 um einen der Vertreter aus L***, bei den beiden großen Vermietern zuhauf vertreten, gibt es MWTler, die nahezu jede Miete mit einem A6 vom Hof rollen.

Insofern wird weder eine Übersicht der technischen Daten, noch ein Fahreindruck oder gar ein Vergleich mit den anderen Konkurrenten aus L*** benötigt.



Vielmehr möchte ich mit diesem Beitrag ganz unverhohlen ein Loblied auf den intern C7 getauften Kombi singen. Aber nicht aufgrund der vermeintlichen Markenbrille, sondern aus Melancholie.



Wieso Melancholie? Weil ich in letzter Zeit das Privileg hatte, viele Audi aus der neuen Generation bewegen zu können. TT FV, Q2 GA, A3 8V Facelift, Q7 4M, A4 B9 Allroad quattro, und erst dann fällt auf, wie sehr der A6 doch angegraut ist. Das mag an einigen Stellen ein Nachteil sein (Stichwort VirtualCockpit), doch auch an einigen Stellen ein Vorteil.



Das Cockpit ist für diese Thematik ein sehr ambivalenter Punkt. Weil irgendwie jeder Punkt zwei Seiten hat.

Es fällt auf: für jede Funktion gibt es eine Taste. Es gibt eine Touchfläche, das war es. Die Tasten jedoch sind denen aus einigen aktuellen Baureihen überlegen, sauber verarbeitet, dabei deutlich abgegrenzt mit einem klaren Druckpunkt - und alle gut beleuchtet und logisch verteilt.



Das Virtual Cockpit sprach ich bereits an. Jedoch hat Audi von Anfang ordentlich investiert - bspw. in ein großes, fein aufgelöstes Multifunktionsdisplay. In Verbindung mit den hübschen analogen Anzeigen ergibt sich eine Kombination, die durchaus auch ihre Reize hat. Gerade der Kniff der des veränderbaren roten Bereichs sowie der Anzeige des ACCs zeigt, mit welchem Blick für die Zukunft damals die Ingenieure vorgehen durften.



Ansonsten checkt der A6 alle Häckchen der Pflichtübungen ab.





Auch am Lenkrad blitzt die Ambivalenz auf. Feinstes Leder, großartige Verarbeitung (I'm looking at you, F10), aber dann sind die Walzen nicht von Wippetastern umgeben. So muss die Favoritentaste auf die Skip-Funktion programmieren. Was halt leider dann auch nur in eine Richtung geht. Da hat dann der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen.

Womit wir aber beim Infotainment wären. Und hier kann der A6 auch dank der regelmäßigen "Produktupdates" ganz gut mithalten. Die Ränder um das Display sind in Zeiten von Galaxy S8 & Co. natürlich markant, aber auch hier löst der Bildschirm ausreichend auf, zeigt auch bei klirrender Kälte keine Schwäche in Form von Verzögerungen und ist ausreichend groß dimensioniert.



Das MMI+ beherrscht dabei alle Spielchen seiner jüngeren Brüder - wenn die Drehrichtung nicht nach wie vor in die falsche Richtung drehen würde. Alles mögliche wird nachgeliefert und optimiert, aber die Drehrichtung ist nicht via Produktupdate nachzuliefern. Naja...



Die Kartoffelkamera verträge, gerade ob der ungeschützten Lage am Heckdeckel, auch mal ein Update.



Dafür ist induktives Laden nachgereicht worden. Die Prioritäten sind nicht immer nachvollziehbar.





Klar einrastende Rädchen, satt klickende Tasten wohin das Auge blickt. In Zeiten von immer klareren, reduzierteren Interieurs im Stile von Tesla, Volvo oder Peugeot muss das nicht immer was Schlechtes sein.



So muss man sich nicht durch zig Untermenüs kämpfen, um unliebsame Assistenzsysteme zu deaktivieren. Einerseits bietet der A6 das volle Repertoire der Assistenzsysteme, ACC, Lane Assist, Side Assist, Stauassistent, Fernlichtassistent, uvm. Aber haben diese Systeme doch die ein oder anderen Aussetzer, die sich aktuellere Varianten selbst in Kompaktfahrzeugen nicht mehr leisten. So verliert der ACC mal die Verbindung zum vorausfahrenden Fahrzeug oder der Lane Assist erkennt die Leitplanke in der Baustelle als seitliches Fahrzeug. Gerade nachts ist man dann über die Möglichkeit, den Assistenten schnell, ohne Untermenüs, ausschalten zu können, sehr froh.



Doch verlassen wir die sehr bequemen Sitze, das Interieur und schauen uns das Fahrzeug von außen an. Und hier verliert sich meiner Meinung nach die Spur der Ambivalenz. Denn das leicht altbackene im Design ergibt sich nur durch den Vergleich mit den aktuellen Modellen - für sich allein genommen, finde ich den A6 durchaus ansehnlich.









Diese dezente Bulligkeit, ja, eigentlich ein Oxymoron. Für mich jedoch kein Widerspruch. Denn der Wagen ist bullig, mit seiner langen Haube, dem steil abfallenden Heck trotz Kombianhängsel, der tiefen Schnauze mit dem großen Grill. Aber dabei nicht "In your face", wie es so schön heißt. Auch entbehrt es dem Auftritt jedwedem übermäßigen Chrombehang.

Dazu natürlich die LED-Beleuchtung rundherum, der Schlüssel zu meinem automobilen Herzen.



Den Ruf des Lademeisters, wie er bspw. einer S 212 vorauseilte, konnte sich der C7 nicht erarbeiten. Aus dieser Perspektive wird klar wieso.



Trotzdem ist das Ladeabteil, ich sag mal, für die meisten Aufgaben ausreichend bemessen.


Hatte leider keine Banana for scale dabei, insofern muss die rote Cap herhalten.


Selbst der kleinste V6 Diesel wäre den diversen Lastaufgaben gewachsen.



Ich durfte das Fahrzeug über einige tausend Kilometer mit vielen erdenklichen Anforderungsprofilen bewegen, und bin ein großer Fan des Antriebs. Er ist akustisch präsent, aber auf eine gute Art und Weise. Bietet aus niedrigen Drehzahlbereichen ausreichend Kraft um innerorts regelmäßig den Führerschein in Gefahr zu bringen und nur in höheren Geschwindigkeitsbereichen auf deutschen Autobahnen geht im ein bisschen die Puste aus.



Dabei gönnt er sich nicht übermäßig viel Sprit. Wie, hat er das jetzt wirklich unter ein Bild mit 9,2l Durchschnittsverbrauch geschrieben?! Ja, man beachte nämlich den Durchschnitt der Geschwindigkeit. Dabei waren das nicht 2500km reines Autobahngeballer, der BAB-Anteil war mit ~60% zwar hoch, aber ebenso waren halt 20% Landstraße und 20% Stadtverkehr im (Groß-)Elternmodus dabei, gepaart mit einigem Warten bei niedrigen Temperaturen. Find ich also in Ordnung.



Na also, haben wir doch alle Häckchen auf der klassischen Erfahrungsbericht-Ckeckliste abgearbeitet. Interieur, Exterieur, Antriebsstrang. Aber wo, ja wo bleibt die Melancholie. Mann, das war doch das Thema, der rote Faden. Vielleicht hätte ich es "Früher war auch nicht alles schlecht" nennen sollen.

Lasst es mich anhand einer Kleinigkeit erklären. Eigentlich unbedeutend, bin ich jedoch der Meinung, dass es ein Symbol für das ist, was ich vermissen werde.



Und wie man sieht, sieht man nichts. Der eingefahrene Bildschirm. Ich saß in einigen A6, und bei jedem einzelnen Modell funktionierte dieser Mechanismus perfekt. Und die Chromleiste schloss immer perfekt ab.

Hätte es diesen Mechanismus so gebraucht? Nein. Hätte man sich das Leben mit der zusätzlichen Leiste unbedingt schwerer machen müssen, weil man jede Abweichung sofort sieht, selbst als Laie? Nein.

Sieht es verdammt nochmal gut aus, bringt (mir) nachts einen Mehrwert, ohne dabei optisch alles zu verschandeln? Ja. Zeigt es, dass bei Audi Leute arbeiteten, die nicht den einfachsten Weg gingen, sondern den schönsten? Ja. Geht mir dabei das Herz auf? Gott ja!

Und das ist das, was mir bei den neuen Audi Modellen fehlt. Ja, auch der einfahrbare Bildschirm. Aber dieses Gefühl, dass nicht nur glatt geschliffene Ingenieure ein Fahrzeug entwickeln, die perfekte Lösungen suchen, die sich einfach realisieren lassen. Die ihren Job, nun ja, als Beruf auffassen.

Sondern dass da Menschen arbeiteten, die Bock drauf hatten, auch mal den schwierigen, anspruchsvollen Weg zu gehen, um ein besonderes Produkt auf die Reifen zu stellen. Und das halt spiegelt sich auch beim Design wider.
Im Gegensatz dazu wirken aktuelle Baureihen von Audi wie nach dem Schwarz Weiß Muster designed. In der Basis oftmals bis zu einem solchen Maß "zeitlos" gezeichnet, dass man beim Anblick fast einschläft. Und mit Sline-Beplankung sehr schnell sehr aggressiv, sehr präsent. Einen Mittelweg, wie ihn der A6 bereits vor dem Facelift beschritt, ist im heutigen Portfolio meiner Meinung nach nicht vertreten.

Da das konkrete Fahrzeug nun ausgeflottet wird und nach aktuellem Stand kein Ersatz mehr kommt, ist es Zeit für mich, Abschied zu nehmen. Und da haben wir sie, die Melancholie. Nicht so krass, wie es in der letzten Fahrt im Mercedes G (W463) sein wird.
Zudem ist es für mich der Abschied einer sehr subjektiven Ära. Ab sofort wird es für mich eine Ära von absolut perfekten, nahezu fehlerlosen, aber ebenso seelenlosen Audis.


An dieser Stelle nochmals großer Dank :222: Köln Dellbrück, die gerade bei den Anmietungen dieses Fahrzeugs den Servicegedanken nahezu perfekt mit Leben gefüllt haben. Das Fahrzeug war bis zum Schluss rauchfrei mit dem ganz Audi-typischem Neuwagengeruch gesegnet.

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Dienstag, 4. April 2017, 22:55

Als ob wir nicht wüssten, was ein Oxymoron ist, ich muss doch sehr bitten ;)

Davon ab ein angenehm anderer, klasse geschriebener Bericht, er führt mir meine ganz eigenen Erfahrungen mit dem A6 wieder ins Gedächtnis, herzlichen Dank dafür!

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koelsch (04.04.2017)

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Dienstag, 4. April 2017, 23:17

Ich habe für diesen Bericht zu danken. Auch ich erinnere mich nun gerne an meine Nordseefahrt mit diesem Auto zurück, welche vor einem Jahr hier zu erlesen war!

Großen Dank! :)

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