Vermieter: Euromobil
Station: Dresden-Nord
Erstzulassung: 13.08.2009
Kilometerstand Anfang: 28.234 km
Kilometerstand Ende: 28.894 km
gefahrene Kilometer: 660 km
Fahrprofil: 50 % Autobahn, ausgewogen bis flott; Rest Stadt/Landstraße ausgewogen bis sparsam
Mietdauer: 3 Tage
BLP (2009): ca. 37.000 €
Motor
2.0 TSI - 1984 cm³ - R4/16V - 147 kW/200 PS bei 5100-6000 U/min - 280 Nm bei 1700-5000 U/min - 235 km/h - 7,2 s von 0 auf 100 km/h - 7,6 Liter Verbrauch/100 km [Super]
Ausstattung
Candyweiß - 6-Gang-Schaltgetriebe - Panorama-Ausstelldach elektrisch - Diebstahlwarnanlage "Plus" - Geschwindigkeitsregelanlage - ParkPilot - Adaptive Fahrwerksregelung DCC - Lederausstattung "Vienna" in Schwarz - Mutlifunktions-Lederlenkrad - Spiegelpaket - Multimediabuchse MEDIA-IN mit Mittelarmlehne vorn - Multifunktionsanzeige "Plus" - Navigation RNS 310 - DYNAUDIO Excite - Räder "Lugano" Volkswagen Individual 8
J x 19 auf Reifen 235/35 R19 - Nebelscheinwerfer - Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenfahrlicht
Anmietung
Zum Geburtstag sollte es bei mir mal etwas Besonderes sein. Da ich dieses Jahr schon mit dem Golf VI GTI in Kontakt getreten bin und dessen 2-Liter-TSI lieben gelernt habe, sollte es zunächst ein schicker AVIS-GTI werden. Doch dann fiel mir dieser Scirocco 2.0 TSI für unschlagbare 89 €/Wochenende (Selbstbeteiligung 1500 €) auf.
Am Tag zuvor habe ich erst die Anfrage gestartet. Leider wurde meine E-Mail bis zum Abholtag unbeachtet gelassen, so dass es dann "etwas" länger gedauert hat. Schön war allerdings, dass der Wagen überhaupt frei zur Miete stand. Ich buchte dann noch eine Vollkasko mit einer Selbstbeteiligung von 150 € für 60 € dazu - sicher ist sicher. Euromobil verlangte immerhin 500 €
Kaution (per EC oder Kreditkarte). Dummerweise hat man es später versäumt, diese dann wieder zurückzubuchen, da musste ich erst noch Nachfragen anstellen...
Der Wagen selbst stand astrein da, war innen wie außen sauber und gepflegt. Er glänzte soweit auch durch Schadensfreiheit. Einzig die Felgen hatten an der rechten Seite schon des öfteren Bordsteinkontakt und sahen recht lädiert aus. An der Frontschürze und auf der Motorhaube gab es kleinere, äußerst unauffällige Steinschläge, die mir so auch erst am letzten Tag aufgefallen sind. Am Tag der Abholung hat es günstigerweise extrem stark geregnet...
Wow - aber endlich mal Scirocco fahren. Das wollte ich schon immer!

Und da hier auch noch der ersehnte 2.0 TSI drinsteckt, steht dem spaßigen Wochenende nichts mehr im Wege...
Karosserie
Sprüche wie "flachgeklopfter Golf" lasse ich unbedingt gelten: Neben dem 3-türigen Basisgeber Golf ist nicht sonderlich viel Platz für ein weiteres kompaktes Schrägheckmodell. Ganz gerecht wird das dem Design aber nicht.
Im Stile eines kleinen Shooting Breaks hat sich VW sehr nahe an der Conceptstudie "Iroc" gehalten. Vorn schaut der Scirocco schon sehr aggressiv-grimmig drein, die Dachlinie fällt dynamisch ab und mündet in einem flachen, breiten Heck, markiert von weit umfassenden Heckleuchten und dem chromeingefassten Doppelendrohr, welches den Hinterherfahrenden noch schnell ein paar gröhlende Laute zum Abschied hinterlässt. Von außen ergibt sich ein äußerst kompakter Eindruck. Umso erstaunlicher ist es dann, dass er innen gar nicht mal so eng ausfällt.
Zwar fühlt man sich in der schwarzen Höhle schon etwas eingeengt, zumal das aus dem Eos adaptierte Cockpit recht hoch aufbaut und die Sitze sich erst in der tiefsten Position - nahe des Asphalts - wirklich gut machen, jedoch fühlt man sich in der ersten Reihe sehr kommod untergebracht. Hat man nun einen Platz in Reihe zwei erklommen, wird man feststellen, dass man es auch hier aushalten kann - man sollte aber nicht größer als 1,75 m sein. Trotz der stark ansteigenden Seitenlinie habe ich mich nicht eingeengt gefühlt. Säße vor mir eine Person gleicher Größe, hätte ich auch passablen Knieraum. Die Sitze im Fond sind sportlich ausgeformt und geben guten Halt - das gilt umso mehr für die ausreichend großen Vordersitze. Die Übersichtlichkeit nach hinten könnte wirklich besser ausfallen, jedoch war dankenswerterweise PDC verbaut.
Zur Ausstattung zählte auch ein erhellendes Panoramadach, das klangschöne DYNAUDIO-System, weit und hell leuchtende Xenonscheinwerfer und ein etwas angestaubt wirkendes RNS 310. Die Xenonscheinwerfer gefallen auch durch ihre auffällige Optik, das
Navigationssystem mit Touch-Screen konnte mich dagegen weniger begeistern: Die Darstellung wirkt nicht mehr ganz zeitgemäß und die Bedienung geht in vergleichbaren Systemen meines Erachtens mittlerweile auch schneller und einfacher.
Nun gut, die Viersitzigkeit ist sowieso nur ein theoretisches Gedankenspiel - der Scirocco wird wohl in erster Linie als 2+2-Sitzer Verwendung finden. Reihe zwei kann man dahingehend gut als Kofferraumergänzung nutzen, da ebendieser nicht gerade optimal erscheint. Mit 310 Liter Stauvolumen liegt man gar nicht mal so schlecht - allerdings fällt die hohe Ladekante spätestens dann auf, wenn der erste Getränkekasten ins stoffbekleidete Abteil wandern soll...
Für Singles und Paare erscheint der Wagen durchaus passend, mir persönlich wäre er wohl auf Dauer zu unpraktisch. Die Idee eines kleinen, jugendlich gestylte Hatchbacks finde ich dennoch interessant. In erster Linie gefällt mir die sportive Optik, die lieber zuviel als zuwenig zeigt - Langeweile sieht anders aus. VW hat es verstanden, den Scirocco ab Werk sportlich auszurichten - so zählen 17"-Leichtmetallräder, ein griffiges Sportlederlenkrad und Sportsitze schon ab Werk zur Serienausstattung. So geht es also doch, sich hinreichend vom vergleichsweise biederen Golf abzuheben...
Fahreindruck
Der gefahrene Scirocco ist leider noch ein Modell, dass vor dem November 2009 gebaut wurde und somit noch über den 2.0 TSI mit 200 PS verfügt - eben jenes Aggregat, dass den Golf V GTI befeuerte. Nun gut: Ein hautnaher Vergleich mit einem Golf VI GTI (210 PS) eines Freundes hat ergeben: Die beiden nehmen sich absolut nichts! Sowohl bei Vollgas im 3. Gang als auch bei voller Beschleunigung bis zur Höchsgeschwindigkeitvon 243 km/h (Tachowert) gibt es allenfalls Unterschiede von wenigen Zentimetern. Der Golf GTI erreicht allerdings bis zu Tacho 248.
Meine Vermutung ist sowieso, dass der 2.0 TSI auch mit offiziellen 200 PS etwas nach oben streut. In vielen Vergleichstests hat dieser sensationelle Sprintwerte von 6,4 bis 6,6 Sekunden vollbringen können. Ein satter Durchzug ist bei beinahe jeder Drehzahl gewährleistet, richtig gut geht es jedoch erst ab 2500 U/min vorwärts. Die Drehfreude des 2.0 TSI macht wirklich süchtig.

Da muss man aufpassen, dass man nach Möglichkeit noch vor dem roten Bereich schaltet. Rein theoretisch sollte dem Turbotriebwerk bei hohen Drehzahlen die Luft ausgehen - das ist definitiv nach meinem Empfinden nicht der Fall!
Was mir allerdings im Vergleich zum GTI fehlt: Sound! Der Scirocco klingt für einen Vierzylinder sehr gut - so sollte ein halber V8 klingen!

Allerdings fällt auf, dass er eine viel zu dezente Stimme hat. Der GTI brüllt, bollert und bellt - das fehlt dem Scirocco, der ohne das Logo "GTI" auskommen muss. Das dumpfe, dezente Bollern des Scirocco gefällt dennoch, weckt aber weniger Sportgefühle.

Zum erstklassigen Motor braucht es noch ein wunderbares Fahrwerk, damit der Scirocco seine Trümpfe ausspielen kann. Dank DCC gibt es im gefahrenen Modell eine ausgewogene Anpassungsmöglichkeit. Jedoch ist der Komfort aufgrund der "gummibedampften" 19"-Räder auch im COMFORT-Modus sehr weit von einer Sänfte entfernt. Im SPORT-Modus wird man dagegen regelrecht durchgeschüttelt und leidet bei jedem Schlagloch mit den 19"-Rädern mit. In meinen Augen wird aber gerade der SPORT-Modus dem Scirocco am gerechtesten - das blieb dann also auch meine erste Wahl bei meiner Kurvenhatz und auf der Autobahn. Damit liegt der kompakte Wolfsburger immer gut in der Spur und weigert sich - im Gegensatz zum Golf GTI mit DCC - auch im Grenzbereich, gnadenlos über die Vorderräder zu rutschen. Das Frontantriebskonzept fällt soweit auch nur bei Nässe auf, wenn die Vorderräder 280 Nm Motordrehmoment auf haftungsarmer Fahrbahn verarbeiten müssen.
Bei aller Sportlichkeit sollte auch die Vernunft nicht gänzlich besiegt werden: Die Spritkosten sind bei noch ziviler Fahrweise dank TSI-Benzindirekteinspritzung erfreulich niedrig. Wer will, kann den Scirocco mit 7 Litern durch die Stadt bewegen - es geht!
Selbst am Tage des GTI-Duells mit häufiger Ausnutzung der maximalen Vortriebsfähigkeit wanderte der Verbrauch nur auf einen Wert von 8,4 Litern. Wobei: Dies ist dann der Landstraßenfahrt zu verdanken, bei der mir der Scirocco ungleich mehr Freude gemacht hat. Der ausgeliterte Gesamtverbrauch von 8,2 Litern entspricht daher meinem Erwartungswert. Wer nun 10, 11 oder mehr Liter je 100 km benötigen sollte, liegt auch nicht verkehrt, missachtet dabei aber die ökonomische Seite des 2-Liter-TSI-Motors. In meinen Augen sollte ein Motor beides können: schnell agieren und bei Bedarf sparsam laufen. Und genau das kann der TSI!
Fazit
Die Miete war eine echte Freude, auch wenn die Abholung nicht reibungslos funktionierte. Das ist wiederum auch meiner kurzfristigen Planung geschuldet. Es bleibt zu bemerken, dass der Scirocco eine interessante Alternative zum Golf darstellt, er den Golf GTI aber nicht ersetzen kann. Der 2.0 TSI im Scirocco ist eben nicht auffälliger als ein 1.4 TSI mit zarten 122 PS, auch der Klang ist zahm. VW mag noch so langweilig erscheinen: Die TSI-Motoren sind immer eine Fahrt wert!