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Dienstag, 8. Januar 2013, 22:51

Schadensersatzforderung bei Nicht-Bereitstellung eines Mietwagens

Hallo zusammen,

mein Problem: Wir hatten über eine Vermittlerseite im Internet ein Allradfahrzeug gebucht, eine Bestätigung erhalten und als wir das Fahrzeug abholen wollten, wurde uns gesagt, dass es keines gäbe. Der Vermieter hatte auch keine vergleichbaren Autos im Angebot.
Der Kundenservice der Vermittlerseite war extrem schnarchig und hat auf unsere Fristen und Fragen nur mit Standardantworten reagiert. Wir haben uns dann, um den Urlaubsschaden so gering wie möglich zu halten, bei einem anderen Anbieter ein vergleichbares Fahrzeug gemietet. Obwohl wir den Wagen kürzer hatten, war die Miete teurer.

Nun zu meinen Fragen: Wer ist für den Vertragsbruch haftbar zu machen bzw. an wen stellen wir unsere Schadensersatzforderungen? Den Vermittler, der uns auch die Buchungsbestätigung zukommen lassen hat, oder den Autovermieter? Welche Schadensersatzforderungen können wir einfordern? Die preisliche Differenz für das gleichwertige Ersatzfahrzeug ja auf alle Fälle. Gibt es eine Pauschale für Vertragsbruch und den Mehraufwand für die Kunden? Welche Summe können wir pro Person für den Urlaubsausfall von zwei Tagen ansetzen? Immerhin hat dieses Ärgernis dazu geführt, dass wir unsere Reise nicht wie geplant durchführen konnten.

Ich freue mich auf Eure Einschätzungen. Im Netz gibt es zu diesen Fragestellungen leider kaum Infos.

Sendmepicturesfromla
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JohnDoe

...fährt ohne Windschott...

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Dienstag, 8. Januar 2013, 22:54

Um welchen Vermieter/Vermittlung in welchem Land handelt es sich denn?

SightWalk

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Dienstag, 8. Januar 2013, 22:58

Check mal deren AGBs, wäre jetzt mein erster Rat. Gucken, ob dort geschrieben steht, dass eine Buchungsbestätigung für Privatkunden auch bedeutet, dass ein Fahrzeug der gebuchten Klasse verfügbar sein MUSS.

LZM

Launch Controller

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Mittwoch, 9. Januar 2013, 00:25

Sendmepictuesfromla

1. Haftbarkeit / Anspruchsgegner
Dafür ist entscheidend, mit wem du einen Vertrag eingegangen bist. Dein Vertragspartner ist u.U. für dir daraus entstandene Schäden haftbar.
Da es sich bei Vermittlern (Mietwagen-Broker wie z.B. Auto-Europe oder Profi-Tools wie CMS) nur um Dritte handelt, welche über Provisionen finanziert werden und Verträge mit Autovermietungen vermitteln, ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass du einen Vertrag mit der entsprechenden Autovermietung eingegangen bist. Dieser wäre also dein Anspruchsgegner, an den du dich mit einer Forderung wenden könntest.

2. Anspruchsgrundlage
Nach h.M. in der Rechtsprechung sind Reservierungen für beide Vertragspartner verbindlich (also z.B. bei Hotelbuchungen etc.).
Vergleichbar wäre das Urteil des LG Frankfurt am Main vom 18.05.2005, Az. 2-01 S 53/04: "Eine schriftliche Buchungsbestätigung, [...]ist für beide Vertragsparteien verbindlich." - eine solche hattest du ja erhalten? Du könntest also dem Grunde nach einen Anspruch auf Schadenersatz haben, wenn die rechtsverbindliche Reservierung nicht erfüllt wurde.

3. Welchen Anspruch hast du?
Laut deinen Aussagen hattest du ein Fahrzeug mit Allrad-Antrieb reserviert. Fraglich ist m.E. ob für eine Urlaubsreise zwingend ein Fahrzeug mit Allradantrieb die Voraussetzung ist. Dies dürfte auch vor Gericht strittig sein. Die Auswirkungen dieses Umstandes auf deine Reise werden im Zuge des Schadenersatzes kaum durchsetzbar sein, schließlich ist es schwer nachweisbar, dass du zwei Tage warten musstest, um ein Allradfahrzeug (von einem anderen Anbieter) zu bekommen und es auch kein Fahrzeug mit Zweiradantrieb hätte sein können.

Allerdings hattest du das Fahrzeug zu einem verbindlichen Preis reserviert, soweit ich dich verstanden habe.
Da du ein Fahrzeug brauchtest und dir dessen Verfügbarkeit auf deine Anfrage (Angebot an die Autovermietung) hin bestätigt wurde, könntest du einen Anspruch aus § 242 BGB haben. Ein Verschulden bei Vertragsschluss, Juristen sprechen auch von culpa in contrahendo.

Fraglich ist nun, ob du einen Ersatzanspruch in Höhe des Vertrauensschadens (negativen Interesses) oder einen Anspruch auf das Erfüllungsinteresse hast. Da du bei einem anderen Anbieter ein Fahrzeug bekommen hast, wirst du wohl nur die Differenz zwischen dem zugesicherten Preis und dem gezahlten Preis geltend machen können, schließlich wären die übrigen Kosten dir ja ohnehin entstanden. Und da es sich um eine Urlaubsmiete handelt, wird auch entgangener Gewinn nach § 252 BGB nicht in Frage kommen - Spaß im Urlaub fällt leider nicht darunter.

Eine Pauschale dafür gibt es nicht. Da es sich bei Mietverträgen über Kraftfahrzeuge auch nicht um Reiseverträge handelt, scheiden Ansprüche aus Reiseverträgen (entgangener Urlaubstag o.ä.) ebenfalls aus. Sicherlich ist das sehr ärgerlich für dich aber durch die Autovermietung kaum zu vertreten, da du nur ein Fahrzeug, nicht aber eine Reise oder einen Urlaub gebucht hattest.

Fazit:
Sofern du ernsthaftes Interesse daran hast, die Forderung geltend zu machen, rate ich dir dazu, dich an einen Rechtsanwalt zu wenden. Dieser könnte in deinem Namen versuchen, den Schaden (Differenz zwischen den beiden Mietpreis, evtl. Pauschale / Aufwandsentschädigung für die Zeit) bei dem Gegner geltend zu machen und diesem auch die Kosten für die anwaltliche Tätigkeit antragen.
Sollte es sich nur um eine kleine Forderung handeln, würde ich dir davon eher abraten, da du u.U. auf den Kosten für den Anwalt sitzen bleibst.
Selbstverständlich kannst du es auch einfach selbst versuchen, indem du dich schriftlich an den Gegner wendest und Schadenersatz verlangst. Eine seriöse Autovermietung wird i. d. R. zumindest eine Kulanzleistung anbieten.
Kritisch sehe ich den Punkt mit dem Allrad-Fahrzeug: oftmals heißt es im Kleingedruckten, dass man nur eine Fahrzeuggruppe, aber keine spezifischen Modelle reservieren kann. Fraglich ist, ob dies auch auf die Antriebsart zutrifft. Wahrscheinlich kann man diese aber reservieren. Dann ist wiederum fraglich, ob du darauf angewiesen warst, wobei dies nicht unbedingt von Belang für die Forderung aus dem Vertrag (Reservierung) ist. Der Gegner könnte es aber einwenden.

Du solltest also gut abwägen, ob es sich lohnt und dich im Zweifel freundlich an die Autovermietung wenden.
Verklagen kannst du sie immer noch.

PS: Nur weil etwas in den AGB deines Anspruchsgegners steht, ist dieses nicht unbedingt verbindlich. Einige Bedingungen in AGBs von Autovermietungen wurden bereits durch höchste gerichtliche Instanzen für unwirksam erklärt.
Allerdings ist der Einwand dennoch nicht zu vernachlässigen, dass dir die Verfügbarkeit im Zweifel nicht garantiert wurde. Ein genaues Lesen der Unterlagen (Reservierung, AGB etc.) empfiehlt sich hier.

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Mittwoch, 9. Januar 2013, 23:00

Hallo,

vielen Dank für die Antworten. Bei dem Vermittler handelt es sich um ein deutsches Unternehmen, dass in seinen AGBs stehen hat, dass sich seine Verpflichtung auf die ordnungsgemäße Vermittlung beschränken. Gleichzeitig steht dort, dass durch die Buchungsbestätigung ein Vertrag abgeschlossen wird. Das scheint also auch (oder gerade) für Privatkunden zu gelten. Leider steht in den AGBs nicht, was im Falle eines Vertragsbruchs durch den Drittanbieter passiert.

Zitat

1. Haftbarkeit / Anspruchsgegner

Dafür ist entscheidend, mit wem du einen Vertrag eingegangen bist. Dein
Vertragspartner ist u.U. für dir daraus entstandene Schäden haftbar.
Das ist genau die Frage. Ich gehe davon aus, dass wir mit dem Vermittler einen Vertrag haben, der wiederrum mit dem Drittanbieter/Autovermieter einen Vertrag hat. Dann wären sie für die Schadensbegrenzung zuständig. Woran kann ich das denn sehen, wer mein Vertragspartner ist? Auf der Buchungsbestätigung ist der Briefkopf des Vermittlers, und kleiner das Logo des Autovermieters.

Zitat

Laut deinen Aussagen hattest du ein Fahrzeug mit Allrad-Antrieb
reserviert. Fraglich ist m.E. ob für eine Urlaubsreise zwingend ein
Fahrzeug mit Allradantrieb die Voraussetzung ist. Dies dürfte auch vor
Gericht strittig sein. Die Auswirkungen dieses Umstandes auf deine Reise
werden im Zuge des Schadenersatzes kaum durchsetzbar sein, schließlich
ist es schwer nachweisbar, dass du zwei Tage warten musstest, um ein
Allradfahrzeug (von einem anderen Anbieter) zu bekommen und es auch kein
Fahrzeug mit Zweiradantrieb hätte sein können.
Hmmm, interessante Argumentation. Für die Region, in der wir waren, kommt jedoch nur ein Allradfahrzeug in Frage und keiner würde behaupten, dass man die Strecke(n) mit einem normalen Fahrzeug fahren könnte. Gilt die Argumentation "Sie hätten ja auch mit einem normalen Fahrzeug woanders hin fahren können?" Dann könnte man auch argumentieren: "Zu Fuß gehen ist auch schön. Sie brauchen gar kein Auto." Schließlich haben wir ja absichtlich die nicht ganz so günstige Fahrzeugkategorie gebucht, um genau in die Regionen zu kommen, in die wir wollten. Hmmpf.

Zitat

Fraglich ist nun, ob du einen Ersatzanspruch in Höhe des
Vertrauensschadens (negativen Interesses) oder einen Anspruch auf das
Erfüllungsinteresse hast.
Was ist der Unterschied zwischen Vertrauensschaden und Erfüllungsschaden?
Wie berechnet man den Schaden für die zwei Tage, die wir das Fahrzeug gebucht haben, jedoch nicht verfügbar hatten? Wie wird der Mehraufwand berücksichtigt, den die Suche und Buchung eines Ersatzfahrzeuges vor Ort hatte? (Es war Wochenende in einem Kaff in der Hochsaison. Es war wirklich nicht so einfach und früher war kein Fahrzeug verfügbar.)

@LZM: Deine Argumentation klingt fast so, als könnte ein Autovermieter ohne weiteres und ohne größeren Kostenaufwand davon kommen, wenn er einfach ein gebuchtes und bestätigtes Fahrzeug nicht zur Verfügung stellt. Wenn wir den Vertrag gebrochen hätten, hätten wir die volle Summe zahlen müssen. Wenn der Autovermieter kein Auto liefert, muss er "nur" die Differenz zum Ersatzfahrzeug erstatten, um das er sich nicht einmal selbst gekümmert hat? Das fände ich ganz schön billig.

Der Hinweis mit dem Anwalt ist gut. Werde mich beraten lassen, aber erst einmal selbst schreiben. Der Schaden ist doch so groß, dass sich das sicher lohnen wird. ;(

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Mittwoch, 9. Januar 2013, 23:07

Ich Frage einfach mal ganz frech. Mit wieviel Schadenersatz würdest du dich denn zufrieden geben?

MfG Jan
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Mittwoch, 9. Januar 2013, 23:45

Man kann sich nicht mit Schadensersatz "zufrieden geben", vgl. 249 BGB. Entweder du hast einen Schaden sowie einen Anspruch auf dessen Ersatz oder eben nicht. Grundsätzlich bestimmt sich der Schaden nach der Differenzhypothese, wie die sich in positives und negatives Interesse aufteilt hat LZM ja schon beschrieben. Das Schadensersatzrecht ist aber ziemlich komplex und insbesondere in der Literatur einigemaßen heftig umstritten. Dazu kommt dass sich beim zuständigen BGH Senst m.W. Kürzlich der Berichterstatter geändert hat, was eine verbindliche Aussage weiter erschwert. Ganz grundsätzlich kann man sagen, dass der Schaden die Differenz zwischen deiner Situation mit oder ohne Eintritt des schädigenden Ereignisses ist, wenn ich mich nicht irre. Das hängt alles aber stark vom Einzelfall ab, und richtige und vor allem belastbare Information kannst du nur von einem Rechtsanwalt bekommen. Erst Lehre aus den Geschehnissen sollte sein: als juristischer Leihe mit beschränktem finanziellen Spielraum ist eine Rdchtscbutzversicherug oft eine Kluge Investition ;-)
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Mittwoch, 9. Januar 2013, 23:53

Hast ja wieder schön viel geschrieben, aber unter deinen "Aufsatz" gehört der Hinweis "am Thema vorbei". Ich möchte wissen in welcher Höhe er sich Schadenersatz erhofft bzw. in seinen Augen angemessen erscheint. Nicht ob dies zu viel oder zu wenig ist. Ob es rechtlich durchsetzbar ist oder dergleichen.

MfG Jan
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LZM

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Donnerstag, 10. Januar 2013, 05:41

Bei dem Vermittler handelt es sich um ein deutsches Unternehmen, dass in seinen AGBs stehen hat, dass sich seine Verpflichtung auf die ordnungsgemäße Vermittlung beschränken. Gleichzeitig steht dort, dass durch die Buchungsbestätigung ein Vertrag abgeschlossen wird. Das scheint also auch (oder gerade) für Privatkunden zu gelten. Leider steht in den AGBs nicht, was im Falle eines Vertragsbruchs durch den Drittanbieter passiert.

1. Das bedeutet, dass die Gerichtsbarkeit auch in Deutschland bestimmt sein sollte. Gut für dich. Bei ausländischem Firmensitz wäre es schon wieder schwieriger geworden.
Da sich die Verpflichtung auf die Vermittlng beschränkt, schließe ich daraus, dass dein Vertragspartner nicht das Vermittlungsunternehmen, sondern die Autovermietung ist - schon während des Reservierungsprozesses. Insofern wäre die Autovermietung dein Anspruchsgegner.

Schön, dass eingeräumt wird, einen Vertrag einzugehen. Alles andere wäre auch befremdlich.
Allerdings geht daraus m.E. (und dies korreliert auch mit üblicher Maklerpraxis) hervor, dass der Vertrag direkt mit der Autovermietung eingegangen wird.

Im Falle eines Vertragsbruches sind also die AGB der Autovermietung für dich entscheidend. Diese solltest du auf entsprechende Stellen hin untersuchen!

Das ist genau die Frage. Ich gehe davon aus, dass wir mit dem Vermittler einen Vertrag haben, der wiederrum mit dem Drittanbieter/Autovermieter einen Vertrag hat. Dann wären sie für die Schadensbegrenzung zuständig. Woran kann ich das denn sehen, wer mein Vertragspartner ist? Auf der Buchungsbestätigung ist der Briefkopf des Vermittlers, und kleiner das Logo des Autovermieters.

2. Ich gehe wiederum davon aus, wovon ich schon unter Punkt 1.) ausging: du bist einen Vertrag mit der Autovermietung eingegangen. Diese ist für dich dein Anspruchsgegner.

Hmmm, interessante Argumentation. Für die Region, in der wir waren, kommt jedoch nur ein Allradfahrzeug in Frage und keiner würde behaupten, dass man die Strecke(n) mit einem normalen Fahrzeug fahren könnte. Gilt die Argumentation "Sie hätten ja auch mit einem normalen Fahrzeug woanders hin fahren können?" Dann könnte man auch argumentieren: "Zu Fuß gehen ist auch schön. Sie brauchen gar kein Auto." Schließlich haben wir ja absichtlich die nicht ganz so günstige Fahrzeugkategorie gebucht, um genau in die Regionen zu kommen, in die wir wollten. Hmmpf.

3. Nun, diese Argumentation begründet sich u.a. mit Erfahrungen aus Unfallersatzpraxis bei Autovermietungen: auch dort werden häufig nicht benötigte Fahrzeuge vergeben und später die Kosten durch die Versicherung nicht übernommen. Falls dich der Vergleich befremden mag: man könnte dir gegnerseitig unterstellen, aus nichtigen Gründen ein Allrad-Fahrzeug reserviert zu haben (ja: auch in Schweden fahren nicht alle Volvo XC90 D5 AWD), so wie andere ein Cabrio oder ein 510 PS starkes Coupe reservieren, ohne das ein zwingender Grund dafür vorliegen könnte.

Allerdings ist auch richtig, dass du einen Vertrag mit der Autovermietung eingegangen bist und dieser Vertrag beinhaltete wohl ein Allradfahrzeug. Insofern könnte eine Pflichtverletzung seitens des Anspruchsgegners vorliegen. § 280 Abs. 1 BGB sieht dazu vor: "Verletzt der Schuldner eine Pflicht aus dem Schuldverhältnis, so kann der Gläubiger Ersatz des hierdurch entstehenden Schadens verlangen.Dies gilt nicht, wenn der Schuldner die Pflichtverletzung nicht zu vertreten hat." - du könntest also Ersatz, des dir entstandenen Schadens verlangen, sofern dein Anspruchsgegner eine Pflichtverletzung begangen hat.

Um dies zu beurteilen ist nun die Kenntnis der AGB eine der Voraussetzungen. Prüfe diese daraufhin, ob Fahrzeugkategorieren, Antriebsarten (Front, Allrad, Heck etc.) garantiert sind. Und was generell garantiert wird, durch die Reservierung.

Was ist der Unterschied zwischen Vertrauensschaden und Erfüllungsschaden?Wie berechnet man den Schaden für die zwei Tage, die wir das Fahrzeug gebucht haben, jedoch nicht verfügbar hatten? Wie wird der Mehraufwand berücksichtigt, den die Suche und Buchung eines Ersatzfahrzeuges vor Ort hatte? (Es war Wochenende in einem Kaff in der Hochsaison. Es war wirklich nicht so einfach und früher war kein Fahrzeug verfügbar.)

4. Sehr verknappt gesagt: der Erfüllungsschaden (positives Interesse), ist der Schaden, welcher dir dadurch entsteht, dass andere einen Anspruch nicht erfüllen. Voraussetzung für diesen Anspruch ist aber in deinem Fall auch ein vertraglicher Anspruch, diesen gilt es erst zu bestätigen.

Allerdings wäre der Erfüllungsschaden wohl das, worauf du hinaus willst: zwei Tage ohne Allradfahrzeug, obwohl du einen Anspruch auf eines gehabt haben könntest. Und du musstest ein anderes Fahrzeug mieten.
Der Ersatz des Erfüllungsschaden beläuft sich auf die Differenz zwischen dem Mietpreis für das Allradfahrzeug und dem tatsächlich von dir gezahlten Preis für das Ersatz-Fahrzeug. Beispiel: Allrad-Fahrzeug für zwei Tage: 100 EUR. Du hattest zwei Tage lang kein Fahrzeug und bezahltest für die restliche Zeit trotzdem mehr, nämlich 150 EUR. Diese Differenz (50 EUR) müsste dir der Anspruchsgegner ersetzen.

Der Vertrauensschaden entsteht dir dadurch, dass du auf die Erfüllung des Vertrages durch den Vertragspartner vertraust.
Du vertrautest also auf ein Allrad-Fahrzeug schon ab dem ersten Tag, hattest aber zwei Tage lang keines und musstest zu einem anderen Anbieter wechseln. Den fiktiven Mietpreis für diese zwei Tage könnte man i. S. d. Vertrauensschadens geltend machen.
Der Ersatz des Erfüllungsschadens ist nämlich auf das positive Interesse begrenzt, damit du nicht besser gestellt werden könntest, als du bei Vertragserfüllung stehen würdest. Also nicht mehr als der Mietpreis für die zwei fehlenden Tage. Für die restliche Zeit hattest du ja ein Fahrzeug (was auch bei Vertragserfüllung durch deinen Gegner der Fall gewesen wäre), sodass dafür kein Vertrauensschaden in Frage kommt.
Da greift der Erfüllungsschaden.

5. Mit etwas Dreistigkeit, kann man erstmal vieles bewirken. Es dreht sich jedoch um das Ergebnis.Bei Sixt (um mal ein Beispiel zu nennen) heißt es in den AGB:

"B: Reservierungen, Buchungen zum Prepaidtarif1. Inlands- und Auslandsreservierungen sind nur für Preisgruppen, nicht für Fahrzeugtypen verbindlich."

- man kann also etwas verbindlich (!) reservieren, wirklich verbindlich ist aber nur, ein Fahrzeug zu diesem Preis zu erhalten nicht aber einen Fahrzeugtypen. Streng genommen könnte Sixt einem danach für eine XDAR-Reservierung auch einen Polo an die Hand geben, zu dem reservierten Preis. Ob dies vor Gericht jedoch Bestand hat, ist zweitens.

Weiter heißt es da
"H: Haftung der Vermieterin
1. Die Vermieterin haftet in Fällen des Vorsatzes oder groben Fahrlässigkeit der Vermieterin, eines Vertreters oder eines Erfüllungsgehilfen nach den gesetzlichen Bestimmungen. Im Übrigen haftet die Vermieterin nur wegen der Verletzung des Lebens, des Körpers, der Gesundheit oder der schuldhaften Verletzung von wesentlichen Vertragspflichten. Der Schadenersatzanspruchwegen Verletzung wesentlicher Vertragspflichten ist auf den vertragstypischen, vorhersehbaren Schaden begrenzt."

- der Schadenersatzanspruch ist also (wenn es nach den AGB geht) auf die Erfüllung der Vertragspflichten begrenzt, auf die der Kunde vertrauen darf. In deinem Fall also, ein Fahrzeug zu erhalten. Wäre der Vermieter Sixt gewesen hättest du also u.U. einen Schadenersatzanspruch.

Fraglich ist hingegen, inwiefern der Autovermietung, Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen kann, welche zu dieser Verletztung von wesentlichen Vertragspflichten geführt hatten.
Hat man vorsätzlich deine Reservierung nicht beachtet? Grob fahrlässig dein Allrad-Fahrzeug einem anderen vermietet? Fragen, die nur ein Gericht beantworten kann.

Du liegst also gar nicht so falsch damit, dass die Autovermietung damit "davon kommen" könnte, dir den Mietpreis für die zwei Tage ohne Allradfahrzeug, sowie die Differenz zum dann gezahlten Mietpreis zu erstatten. Warum sollte sie dich auch besser stellen, als du bei Vertragserfüllung gestanden hättest? Dafür gibt es keinen Grund.
Für den entgangenen Urlaubsspaß wird die Autovermietung kaum haftbar zu machen sein, das ist sehr wenig kausal. Anders sähe es z.B. bei einem verpassten Flug oder wichtigem Geschäftstermin aus. Da wäre ein Schaden konstruierbar.
Dein Rechtsanwalt kann dies aber auch anders sehen.

Ich würde dir empfehlen, auf Ersatz des Mietpreises für die zwei Tage ohne das Fahrzeug und auf Ersatz der Differenz zum beim Wettbewerber gezahlten Mietpreis zu bestehen. Darüber hinaus würde ich auf Kulanz pochen und z.B. einen freien Anmiettag oder ähnliches raushandeln.

Darüber hinausgehende Forderungen werden nur gerichtlich geltend zu machen sein, wobei hier keine Garantie auf Erfolg besteht. Diesen Schritt halte ich nur bei finanzieller Potenz (oder negativer finanzieller Potenz, welche Prozesskostenhilfe bedingt) oder vorhandener Rechtsschutzversicherung für empfehlenswert.

Sicherlich könnten dir viel mehr hier aus dem Forum mit Erfahrungen und Tipps weiterhelfen, wenn du den Vermittler und die Autovermietung benennen würdest. Dies ist dein Recht und birgt für dich keine Nachteile. Aber das liegt natürlich bei dir.


@svaeni: Sehr diplomatischer Vortrag :-)

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Donnerstag, 10. Januar 2013, 13:22

Lässt sich der persönliche Rosenkrieg nicht wunderbar per PN ausfechten?
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Donnerstag, 10. Januar 2013, 18:34

Danke für die Antworten. Der Termin beim Anwalt steht. Ich bin gespannt...

Laut Autovermieter muss man übrigens den vollen Preis zahlen, auch wenn man das Auto nicht abholt (oder sieben Tage vor Abholung storniert). Seltsam, dass der Kunde von dem Vertrag nicht mal eben abweichen darf, der Vermieter aber schon. Das leuchtet mir nicht ein. Dafür ist es einfach zu ärgerlich, für drei Wochen ans andere Ende der Welt zu fliegen und von dieser Zeit zwei Tage zu verlieren und sich mit Autovermietern rumzuärgern. Der Grund für das fehlende Fahrzeug ist übrigens relativ trivial: Die haben kein gescheites Buchungssystem. Der Mitarbeiter vor Ort konnte uns eine Liste mit zehn weiteren Kunden zeigen, die das Fahrzeug für diesen Tag angemietet aber nicht bekommen hatten. Das hat also System...

Ich werde berichten.

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Donnerstag, 10. Januar 2013, 18:52

Hat Dich jemand gezwungen denn Vertragsbedingungen zuzustimmen? Du kannst auch nicht zu Aldi oder Rewe gehen und denen die Preise diktieren. Solange nicht das BGB oder sonstige Gesetze zum Verbraucherschutz verletzt werden, kann der Vermieter solche Regelungen in seinen Vertrag aufnehmen.

Hast Du Beweise für die Aussage des Mitarbeiters oder Zeugen, z.B. Adressen dieser anderen Kunden?

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