So gehen Sixt, Europcar, Hertz und andere Autovermietungen mit der Corona-Krise um

Einnahmen durch Geschäftsreisende, Messen, Veranstaltungen und andere wichtige Kundenaufträge brechen den Autovermietungen infolge der Corona-Krise weg. Was bleibt, sind Rabatte, Aufklärungsarbeit und Fuhrparkkürzungen, um die aktuelle Situation zu meistern - oder zu überleben. Ob Panik angebracht ist? Noch nicht. Autovermietungen wurden wie z.B. Tankstellen als systemrelevant eingestuft, um die Mobilität aufrecht zu erhalten. Dennoch scheinen die Autovermietungen um ihre Existenz zu bangen. Wir haben die aktuellen Maßnahmen zusammengestellt.

Sixt setzt auf Rabatte, Fuhrparkkürzungen und Aufklärung.

Anhand des Sixt-Aktienkurses lässt sich ablesen, wie es um die ganze Autovermietbranche bestellt ist: Nicht gesund. Um noch größere Schäden zu verhindern, setzt Sixt das ein, was sie am besten (von allen Autovermietungen) können: Die Flotte. Die Menschen, die nun noch ein Auto brauchen, sollen ihr Geld bei Sixt lassen. Vermutlich ist Sixt eine der wenigen Autovermietungen mit hoher und langfristiger Liquidität. Dennoch wurden Berichten aus dem Mietwagen-Talk zufolge schon Kürzungen in der Flotte vorgenommen, um Überkapazitäten abzubauen. Langzeitkunden wurden beispielsweise frühzeitig zum Fahrzeug-Tausch an die Stationen beordert.


Zeitgleich werden die Empfehlungen der WHO berücksichtigt. Die gesamte Vermietflotte wird laut Sixt "mehrstufig professionell gereinigt".

Die Filialen werden desinfiziert, die Mitarbeiter entsprechend geschult. Zumindest in Deutschland werden die Stationen regulär geöffnet bleiben. Im Ausland gibt es situationsabhängige lokale Anpassungen. Wer eine vorausbezahlte Reservierung stornieren muss, kann sich an den Kundenservice von Sixt wenden. Je nach Sachlage entscheiden die Mitarbeiter dann, ob aus Kulanz eine Kostenrückerstattung möglich ist. Bei einer Buchung mit Bezahlung vor Ort kann sowieso jederzeit storniert werden.

Europcar: "Alles in unserer Macht stehende tun."

Auch der Europcar-Aktienkurs zeigt während der Corona-Krise nach unten. Anders als bei Sixt rechnet Europcar keine zusätzlichen Gebühren für eine Einwegmiete bis zum 31. Mai 2020 ab. So können beispielsweise Flugausfälle kompensiert werden. Damit Kunden flexibel reagieren können, bietet Europcar an, alle Reservierungen kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. Filialschließungen behält sich Europcar hingegen vor. Die Liste der Stationen, die aktuell geöffnet haben, kann auf der Europcar-Sonderseite zur Covid-19-Pandemie eingesehen werden.


Avis schließt einige Stationen und hält die Minimalversorgung aufrecht

Avis kann die flächendeckenden regulären Öffnungszeiten seiner Stationen nicht garantieren. Um die Sicherheit der Mitarbeiter nicht zu gefährden, werden einige Stationen vorübergehend schließen. Sollte Avis für bereits reservierte Anmietungen keine geöffnete Station (und damit einen Mietwagen) bereitstellen können, werden die betroffenen Kunden vom Serviceteam kontaktiert. Anmietungen, die vor dem 1. Mai starten, können jederzeit vorher kostenlos storniert oder umgebucht werden. Wer nach dem 1. Mai einen Avis-Mietwagen bucht, kann ihn bis 72h vor Mietbeginn kostenfrei stornieren, heißt es auf der Sonderseite zu Covid-19 bei Avis. Ähnlich wie bei Sixt hält Avis seine Mitarbeiter dazu, sich regelmäßig die Hände zu waschen und verordnet den Mietwagen gesonderte Desinfektionen an berührungsintensiven Flächen wie Lenkrädern und Armauflagen.


Hertz empfiehlt, nur Flex-Tarife zu buchen

Hertz geht nicht ganz so in die Detailtiefe wie es Sixt, Europcar oder Avis tun. Man schreibt in einem Newsletter, dass man die Entwicklungen um den Coronavirus genau beobachte und die aktuellen Richtlinien der führenden Regierungs- und Gesundheitsbehörden befolge. Man empfiehlt den Kunden weiterhin, Flex-Tarife ohne Vorauszahlungen zu buchen, um kostenlos stornieren zu können - was impliziert, dass vorausbezahlte Mieten nicht kostenfrei stornierbar sind. Wir wollten dies beim Kundenservice von Hertz erfragen. Dieser scheint aber wie bei den meisten Reiseunternehmen derzeit komplett überlastet, so dass wir niemanden erreichen konnten.


Enterprise behält sich vor, Tag für Tag zu entscheiden, Filialen geschlossen zu lassen

Enterprise behält sich vor, Filialen bis auf Weiteres zu schließen oder Öffnungszeiten deutlich einzuschränken. Diese Maßnahmen dienten dem Schutz aller Kunden und Mitarbeiter, so Enterprise in einer Sondermitteilung unter enterprise.de. Sollten Kunden eine bestehende Reservierung haben und sie wahrnehmen wollen, werden sie vor Mietbeginn von der jeweiligen Filiale kontaktiert, um einen Kompromiss zu besprechen. Vorausbezahlte Tarife können bei Enterprise bis auf Widerruf nun auch kostenlos storniert oder umgebucht werden.


Sonderabatte bei Starcar, reguläre Öffnungszeiten, gesonderte Desinfektion

Starcar lockt mit 30% Rabatt auf kurzfristige Buchungen bei Transportern und 20% Rabatt auf PKW-Mieten. Filialschließungen oder geänderte Öffnungszeiten führt Starcar nicht ein. Der Betrieb geht wie gewohnt weiter. Man unterzieht die Mietwagen nun allerdings einer gesonderten Desinfektion, wie sie etwa auch Sixt und Europcar kommunizieren.


Besondere Umstände erfordern spezielle Maßnahmen. Wir wissen, dass sich der Covid-19-Erreger vorwiegend durch Tröpfcheninfektion überträgt und auf Oberflächen außerhalb des menschlichen Körpers nur schwer überleben kann. Ein Mietwagen stellt per se also keine Virusschleuder dar. Man kann also getrost Mietwagen fahren, die von anderen Menschen benutzt worden sind. Wir haben Euch ein paar Tipps zum Umgang mit dem Coronavirus im Mietwagen zusammengetragen.