Mercedes-Benz A250 | Sixt Würzburg

  • Nachdem mich vor 2 Jahren der MX-5 bei Europcar überzeugt hat, freute ich mich schon, als ich erstmals hörte, dass dieser nun auch bei Sixt zu haben ist. Schon seit längerem wollte ich mir das Spaßgefährt mal über einen längeren Zeitraum als ein Wochenende gönnen, und der anstehende Kartcup bot sich als Anlass sehr gut an. Da jedoch kurzfristig alle MX-5 Oneway verschwanden, brauchte ich eine Alternative. Die bot sich in Form einer kurz vorher eingeflotteten A250 an. Wunderbar, denn auch die wollte ich mal etwas ausführlicher erleben. Die alte A-Klasse mochte ich aufgrund des schlecht gealterten Innenraums nicht, und besonders da versprach Mercedes ja deutliche Änderungen.




    Hier erstmal die Daten zum Fahrzeug:

    Motor: 2.0 TFSI, 165kW/224PS (M260)

    Getriebe: 7-Gang DCT, Frontantrieb

    Außenfarbe: Polarweiß uni

    Bruttolistenpreis: 47.094€



    Design außen

    Mit der Farbe Weiß habe ich ja durchaus so meine Schwierigkeiten. In diesem Fall musste ich aber erneut feststellen: so schlimm ist es gar nicht. Gefällt mir sogar recht gut, was aber zur endgültigen Überzeugung fehlt sind getönte Scheiben und das Night Paket. Vorteil der hellen Farbe ist aber eindeutig, dass die Chromakzente um die Seitenscheiben, an der Frontlippe und dem Heckdiffusor nicht so sehr herausstechen.

    Die Felgen im fast gewohnten AMG Design sehen von weiter weg weiterhin gut aus, aus der Nähe betrachtet ist dieser Aero-Kragen jedoch noch gewöhnungsbedürftig. Sonst stehen dem Auto die 18-Zöller wunderbar, besonders in Kombination mit der 15mm Tieferlegung.



    Von vorne bestich die W177 mit der AMG-Schürze, dem Diamantgrill mit großem Zentralstern, und den LED Scheinwerfern. Auch wenn die High Performance LED SW mit den Reflektionsspiegeln noch etwas nach Halogen aussehen, besticht das TFL mit umso aggressiverem Design.



    Auch hinten gibt es neue Leuchten. Diesmal geteilt und wieder ein komplett neues Design (mir völlig unverständlich, wie es Mercedes bei den Rückleuchten nicht schafft, eine zusammenhängende Designsprache zu verfolgen.) Die Ausführung ist aber durchaus gelungen, und auch hier passt der Kontrast zum weißen Lack hervorragend. Die Positionierung der Modell-/Motorbezeichnung wirkt etwas notdürftig, aber abgesehen von der Abwahl derselben, wüsste ich auch nicht, wie man das besser lösen könnte.




    Innenraum, Infotainment & Bedienung

    Das neue Konzept mit zwei großen Displays, dem Lenkrad mit sämtlichen Bedienelementen wirkt in der Kompaktklasse und gerade im Vergleich zur W176 noch etwas raumschiffartig, lässt aber hoffen, dass das Cockpit nicht so schnell altert, wie das letzte.

    Die negativen Punkte lassen sich schnell zusammenfassen: Plastik in Hochglanzschwarz um Luftausströmer und Mittelkonsole, Haptik der Klimabedieneinheit. Damit hat es sich meiner Meinung auch schon.




    Der Optik wird hier mit der AMG Line deutlich auf die Sprünge geholfen. Viel DINAMICA und rote Akzente setzen den Innenraum gut in Szene, der schwarze Dachhimmel runde das Paket dann ab. Die Sitze sehen sportlich aus, bieten ausreichend Seitenhalt und sind auch für längere Etappen sehr bequem. Für ein entspanntes Raumgefühl sorgt das große Panorama-Schiebedach.

    Materialien und Verarbeitung haben mir gut gefallen. An manchen Ecken, wie der Lichtbedieneinheit oder den Lenkstockhebeln, wird man erinnert, dass man noch in einem Kompakten sitzt, und nicht in der Oberklasse, aber das darf ja auch so sein. Schlecht oder minderwertig fühlt sich das nicht an. Abgesehen von der Klimabedieneinheit. Die sieht zwar hochwertig aus, und lässt sich auch gut bedienen, aber die Schalter fühlen sich dann doch sehr billig an, und bei etwas festerem Druck gibt gleich die ganze Leiste nach. Das ist nicht Premium. Persönlicher Kritikpunkt, der aber eigentlich nicht wirklich valide ist, wäre, dass meine Lüftungsgitterhandyhalterung nicht passt. Aber dafür kann der Daimler ja nichts.




    Wo wir aber schonmal beim Handy sind: mir fehlt so ein bisschen eine USB-A Buchse. Ja, ich verstehe, warum man beim MacBook nur USB-C bereitstellt. In einem Auto, was im Schnitt doch etwas langlebiger ist, will ich aber nicht ewig mit Dongles rumhantieren. Kann mir auch keiner erzählen, es wäre zu großer Aufwand gewesen, die USB-A Buchse neben der USB-C in der Mittelarmlehne zu verstecken. Hätte ja auch gereicht, wenn ich da nur laden kann, und keine Datenverbindung habe. Aber genug davon.




    Nachdem Mercedes oft in allen Klassen mit Infotainment und Navigationssystemen in der Kritik steht, und ich mich neulich in einer 170k€ S560L selbst über das COMAND nur aufregen konnte, bietet die A-Klasse nun erstmals ein System, das zumindest aktuell allen anderen voraus ist. Endlich kann man flüssig durch alle Menüs navigieren, und das Navi bringt einen stets zum angepeilten Ziel, ohne dass danach die Nerven blank liegen. Die Bedienung übers Lenkrad funktioniert wie gewohnt aus E-/ und S-Klasse, der Touchscreen macht seinen Job ausgezeichnet, und das Touchpad mit haptischem Feedback in der Mittekonsole ist eine wahre Freude. Auch reicht die Hardware endlich, um Funktionen wie RouteMonitor und Autozoom problemlos darzustellen. Zum „was MBUX sonst alles kann“ verweise ich einfach mal auf den Bericht von Sundose (Mercedes-Benz A200 W177 - Ein Traum in Rot?). Die AR Funktion und die Ampelkamera waren bei meiner A-Klasse leider nicht an Bord.

    Einzig anzufügen habe ich, dass auf den Befehl: „Hey Mercedes, mach das Dach auf/zu“ zwar geantwortet wird, dass das Rollo geöffnet/geschlossen wird, das Ganze aber nur passiert, wenn das Dach zu ist. Bei offenem oder angekipptem Dach, passiert dann trotz Ansage einfach nichts. Schade.



    Fahren, Bordcomputer und Assistenten

    Kalt im Leerlauf tuckert der Vierzylinder etwas unruhig vor sich hin, während der Fahrt ist er dann aber unauffällig ruhig. Unter Last kommt die im Konfigurator passend betitelte „sportlicher Motorsound“ (B63 - ENGINE NOISE OVER SPEAKER) Ausstattung zum Tragen. Insgesamt hat mir die künstliche Ergänzung ganz gut gefallen. Das eingespielte Klangbild ist kernig-passend, und überhaupt nicht nervig oder überzogen. Man hört zwar, dass es nicht ganz natürlich ist, fiel aber zu keiner Zeit störend auf.

    Das „gezielt sportlich abgestimmte“ Komfortfahrwerk schafft eine Spreizung, wie ich sie, abgesehen von adaptiven Dämpfern, noch nicht erlebt habe. Unebenheiten werden souverän geschluckt und die A-Klasse gleitet fast über Autobahnen und Bundesstraßen. Anfangs fand ich das Fahrwerk zu weich, um sportlich über die Landstraßen verschiedener Stammtische zu fahren. Hier taucht das Fahrzeug in Kurven weit ein, bei Lastwechseln fängt es an, sich aufzuschaukeln, und Unebenheiten führen schnell zum hoppeln über die Hinterachse. Auch wenn sich an den Tatsachen nichts geändert hat, so musste ich meine Meinung am Ende der Woche revidieren. Vielleicht musste ich mich einfach nur dran gewöhnen. Ja, ein härteres Fahrwerk wäre für diese Fahrweise besser, aber mit etwas Kompromissbereitschaft und Streckenkenntnis lässt sich auch so schon viel Spaß haben.

    Fehlt noch das Getriebe zum Fahreindruck. In Eco und Comfort schaltet es unaufgeregt, auch das Anfahren aus Start/Stopp i.V.m. Auto Hold passiert sachte und ohne Ruckeln. In Sport dagegen konnte ich damit gar nichts anfangen. Greift man mit den Paddels ein, so übernimmt die Automatik wieder viel zu schnell und wirft die Gänge durcheinander. Abhilfe hat hier Individual mit Getriebe auf manuell geschaffen. Unter Zug ruckt es beim Schalten dann aber doch sehr, so dass ein unfreiwilliges Kopfnicken nicht ausbleibt.

    Was Benziner dieser Art in kleinen Autos verbrauchen dürfen, dazu fehlt mir leider die Erfahrung. Nach nicht ganz 2000km bin ich bei errechneten 8.02l/100km gelandet, was sich mit den 8.1l aus dem BC wunderbar deckt.

    Nach einer Sparfahrt über etwa 380km (80% BAB @ Tempomat 130, Rest Bundesstraße/Stadt) sprang der BC beim Rollen auf den Hof von 5.9l auf 6.0l. Niedrige bis mittlere 6,xl sollten bei entsprechendem Fahrprofil realistisch umsetzbar sein. Stammtischstrecken lagen im Mittel bei 8.5-9.5l, finde ich ok und deckt sich glaube in etwa mit dem, was sich ein GTI gegönnt hätte.

    Leider wurden bei Konfiguration des Fahrzeugs die 60€ für den 66l Tank gespart. Mit dem Verbauten 43l Tank lassen sich zwar Reichweiten bis knapp über 600km erreichen, aber realitätsnäher sind eher knapp unter 500km.




    Das digitale Instrument ist an sich ja schon aus E- und S-Klasse MOPF bekannt. Der beliebte Progressive Stil wurde leider nicht übernommen, so wirklich vermisst hab ich ihn aber nicht. In der Standardansicht kann man wie üblich das mittlere Element frei wählen, und auch dass sich der Drehzahlmesser in eine Eco oder Navikarte wandelt ist nicht neu. Da aber nun die Geschwindigkeit permanent in der Mitte am oberen Displayrand dargestellt wird, lässt sich auch der Tacho anpassen, so dass sich dort Medieninfos oder die Reiseübersicht anzeigen lassen.

    Zusätzlich werden Vollbildansichten für die Reiseübersicht und die Navikarte angeboten. Letztere deckt sich in etwa mit denen aus Audis Virtual Cockpit.

    Das Instrument lässt sich jederzeit einwandfrei ablesen, Spiegelungen sind trotz fehlender Überdachung kein Problem. Ähnlich der E-/S-Klasse verdeckt aber das Lenkrad je nach Position die rechte untere Ecke des Media Displays.




    Die nächtliche Heimfahrt nach dem Kartcup bot sich an, die neuen Scheinwerfer zu evaluieren. Nur leider gab es da nicht viel festzustellen, außer, dass die wohl falsch eingestellt waren. 130 auf der dunklen, leeren Autobahn fühlten sich ohne Fernlicht nahezu gefährlich an, da die Leuchtweite gefühlt keine 50m reichte, und dann auch noch sehr abrupt endete. Das Fernlicht und der FLA haben aber überzeugen können.


    Zu den Assistenten gibt es nicht so viel zu sagen, da wie bereits bekannt, das Fahrassistenzpaket erst später geliefert wird. Auf der Habenseite stehen hier also nur Tempomat (kein ACC), Auffahrwarner, Spurhalte- und der Parkassistent.

    Der Auffahrwarner verhielt sich stellenweise unfassbar sensibel, trotz dass er auf spät eingestellt war. So wurde man beim auffahren/-rollen auf abbiegende, und ab und an auch bereits abgebogene Fahrzeuge plötzlich eingebremst. Ähnlich der Spurhalteassistent, der, wenn er denn mal Spuren erkannt hatte, beim Verlassen der Fahrspur erst leicht im Lenkrad vibriert, aber dann statt sachte gegenzulenken auch irgendwie bremst und Warntöne in den Innenraum bläst. Wie das System genau funktioniert, habe ich nicht rausgefunden, sondern einfach immer bei Fahrtantritt deaktiviert. Da wäre ein Knopf praktischer gewesen, als die 3 Schritte im MBUX. Den Parkassistenten habe ich nicht ausprobiert, und gewünscht, man hätte die 803,25€ gespart, und für 389,65€ die RFK gewählt. Aber ist im Businesspaket so ja nicht möglich. Denn auch, wenn die Übersicht nicht schlecht ist, hat man sich doch sehr an die Annehmlichkeiten einer Rückfahrkamera gewöhnt.


    Abschließend festzustellen, dass mich die neu A-Klasse sehr überzeugt hat. Zumindest in der Ausführung, in der ich sie fahren durfte. Ob mir einer der 1.3l Motoren reichen würde, bleibt auszuprobieren. Wovor mir jetzt schon graut, sind die Kassenmodelle mit den beiden kleinen Displays und der resultierenden Plastiklandschaft im Instrumententräger. Aber bis die kommen, bleibt die A-Klasse in CPMR wohl erstmal universell Jackpot, auch ohne AMG-Line und als 200er.



  • Toller Bericht und coole Bilder:thumbup:


    Ich fahre ja den selben Wagen seit rund zwei Wochen und ich werde nicht so richtig warm mit ihm. Im Comfort-Modus ist die Automatik unglaublich nervös, speziell wenn man etwas mehr Gas gibt. Zum entspannten dahingleiten nutze ich daher den Eco-Modus. Der Motor und die Leistung überzeugen nur so bedingt - wenn man bedenkt, dass ein VW Golf GTI nur wenige Pferdchen mehr hat. Witzig ist auch, dass ich mit 1,90m Körperlänge weniger als eine Handbreit Platz bis zum Dach habe. Und das, obwohl die Sportsitze komplett unten sind. Generell sitzt man unangenehm hoch, obwohl das Auto an sich relativ niedrig ist. Eventuell ist das mit Standardsitzen und ohne Panoramadach auch besser. Mit AMG-Line erwarte ich aber irgendwie was anderes. Ein Gefühl von Sportlichkeit wollte sich bei mir nicht einstellen. Weder als Fahrer noch als Beifahrer bei Crazer  ;)


    Positiv hervorzuheben sind MBUX (Sprachsteuerung) und vor allem die unfassbare Schnelligkeit des Navis. Die Routenneuberechnung, wenn man sich mal verfahren hat, funktioniert quasi ohne Verzögerung. Das ist wirklich beeindruckend. Sehr gut klappt auch die Steuerung des kompletten Systems über das Touchfeld in der Mittelkonsole oder das Lenkrad. Man erhält jederzeit Feedback über Geräusche/Vibration. Da hat man in Sachen UX wirklich mitgedacht:thumbup:

  • Noch ein CLS-Bericht! 😉 Danke!


    Die Ehre mit der W177 hätte ich nun auch schon kurz mit dem 1.33-Motor. Auch der reicht. Wenn er mir auch nicht souverän genug klingt. Das DCT schaltet nervös, rangieren ist eine Katastrophe. Mit dem MBUX bin ich schnell warm geworden. Aber man muss sich über Gebühr drauf einlassen. Einfach reinsetzen und losfahren ist schwer.