Alfa Romeo Stelvio | Europcar

  • Exot oder nicht Exot, das ist hier die Frage.




    Nachdem der MUC sich nicht gerade mit Ruhm bekleckerte, gab es von der lokalen :202:-Station bis morgen ein Fahrzeug, das wirklich auf der Grenze zum Exotentum steht. Auf der einen Seite stehen die Marke, die Zulassungszahlen und die Bauform. Auf der anderen Seite stehen die Verbreitung im Forum, beim Vermieter als auch auf der lokalen Straße, wobei letzteres wohl dem Umstand geschuldet ist, in einer wohlhabenden Gegend zu wohnen. Insofern weiß ich nicht, ob es unter #einHerzfürExoten fällt.



    Wir reden über den Alfa Romeo Stelvio. Von mir im "Basis"-Benziner mit 200 PS gefahren, in guter Ausstattung.


    • Veloce-Interieur mit Leder schwarz und den eigentlich obligatorischen Sportsitzen :love:
    • Assistenzpaket (PDC rundherum, RFK, BLIS, Spurverlassenswarner akustisch :rolleyes:, Innen- & Außenspiegel abblendend)
    • große Bi-Xenon-Scheinwerfer mit statischem FLA, Scheinwerferreinigungsanlage und Kurvenlicht
    • großes 8,8 Zoll Navi mit Carplay
    • Keyless-Entry mit elektr. Heckklappe
    • Scheibentönung & Winterpaket

    Was fehlt ist das Performance-Paket mit den hübschen Alu-Schaltpaddels, die mMn. gerade in einem Benziner noch irgendwie Sinn ergeben.


    Und es wäre kein Italiener, wenn es nicht komische Fehlermeldungen gäbe.



    Fahren



    Der Basisbenziner ist einer der GME-Motoren aus dem FCA-Konzern, eine Motorenbasis die für Giulia und Stelvio entwickelt wurde. Und ich bin kein Fan. Der Klang als auch die Kraftentfaltung erinnern stark an einen Diesel, erst obenrum bessert es sich klanglich. Die 330 NM stehen wie das Drehmoment bei den Dieseln bereits bei 1750 U/min an, sodass es beim Beschleunigen nicht immer einem Kickdown benötigt. Ich möchte für den Verbrauch kein Fazit ziehen, das wäre beim Fahrprofil dem Fahrzeug ggü. unfair.



    Die ZF Automatik schaltet in n gewohnt geschmeidig, in a wird seeeeehr viel gesegelt, und in d benötigt es einer volldigitalen Fahrweise, um die Software nicht zu überfordern. Sonst wird schonungslos genickt.


    Und das ist schon der größte Minuspunkt beim Fahren - der dna-Schalter. Jeder Hersteller schafft es, den Fahrerlebnisschalter zumindest rudimentär konfigurierbar zu machen. Bei Alfa ist es "Friss oder stirb". So fühlt sich der Motor in d so viel spritziger, so viel freier an, aber dadurch dass man das Getriebe nicht verstellen kann (bspw. dass ein S-Modus deaktiviert wird) ist d quasi unfahrbar. Und n ist derart auf Komfort getrimmt, dass man trotz 200 PS, 7,x Sekunden auf 100 auf Autobahnauffahrten zum Bremsklotz wird.



    Der Allradantrieb ist sehr spaßig, sorry, "fahraktiv" abgestimmt. Das merkt man besonders beim Abbiegen auf Nässe, das hintere kurveninnere Rad quitscht gerne, bevor die Elektronik denkt "Moment, wir haben da ja noch eine Vorderachse die wir anschieben können". Das macht es einerseits sehr spaßig, die Lenkung bleibt frei von Antriebseinflüssen bis es nicht mehr geht und trotz nicht deaktivierbarem ESP geht es so flott um die Kurve. Andererseits stört es im alltäglichen Betrieb, denn auch in n tritt es immer wieder auf.



    Und wer hätte gedacht, dass ein Alfa Romeo mal so aussehen kann, ohne dass man Angst haben musste dass man sich das Auto komplett ruiniert indem man alle Schürzen abreißt und sich die Ölwanne aufreißt.



    Die Federung ist komfortabel genug um auch im leichten Gelände nicht stuckerig zu werden, und straff genug um auch die Spaßrunde auf der Landstraße zu überstehen. Und auch wenn das ESP zwar spät regelt, und so nur ganz leicht nervt, nervt es nichtsdestotrotz.


    Interieur



    Das Interieur ist zu 100% bekannt aus der Giulia. Die Sitzposition ist leicht anders, man sitzt nicht so tief im Vergleich zum Armaturenbrett, sodass man zwar die Spitze des Fahrzeugs besser sieht, dafür Ampeln als Erster schwieriger werden. Und ja, der Sitz ist ganz unten.



    Das Lenkrad mit dem eingesetzten Engine Start-Button ist mittlerweile schon fast ikonisch, wenn auch mir nach wie vor etwas zu dünn. Die LHZ wird dafür überall warm, und das auch sehr schnell sehr angenehm, ohne dann großartig nachzulassen.



    Das Infotainment gibt sich die größte Mühe, und wenn man bedenkt woher Alfa kommt, und was noch in Giulietta verbaut wird, ist es wirklich ein Sprung in die Gegenwart.

    Absolut gesehen jedoch, hängt es gegen die angestrebte Konkurrenz trotz guter Ansätze noch hinterher.



    Der Bildschirm zwischen den überaus hübschen Rundinstrumente gibt sich alle Mühe in dem er schnell auf Eingaben reagiert, gut auflöst und sich an den Rändern streckt. Dafür ist er nahezu null individualisierbar, und auch Navigationsanweisungen kann er maximal als Pfeile darstellen.



    Der große Dreh-Drück-Schalter hat kein Touchpad, und auch der gut auflösende Bildschirm ist nicht berührungssensitiv. Das beschneidet gerade die Funktionalität für Carplay drastisch. Auch wenn das System bei Audio-Ausgabe über Carplay Interpret, Titel und Cover korrekt abgreift und darstellt, das können nicht alle Systeme von sich behaupten.



    Und auch die Grafik der Navikarte ist eher als Spielzeugstil zu bezeichnen, schlimmer noch als das Garmin aus Mercedes der letzten Generation.

    Dafür werden Routen schnell und zuverlässig berechnet, TMC ist auf dem Stand des Möglichen, und auch der Sound ist trotz nicht verbauter h/k überraschend gut. Also zumindest für meine ungeübten Ohren.



    Und wo die Klimaautomatik in "meiner" Giulia, die ich als LZM hatte, noch einer der Gründe für den Fahrzeugtausch war, tut sie sich im Stelvio, im Kühlen, mit einem Benziner sehr viel leichter. Bereits nach nach wenigen Metern bläst es warm aus den Lüftungsdüsen, und auch dank defektem Start/Stopp weiß ich nicht ob es wie bei der Limousine müffelt wenn der Motor abgeschaltet wurde.



    Der Kofferraum leidet etwas unter der stark schräg abfallenden Heckscheibe, dennoch denke ich dass der rationale Deutsche lieber zum Kombi-Ersatz SUV greift, "weil er doch so viel praktischer ist".



    Und auch wenn Alfa so stolz auf das Auto ist, das selbst die feststehende Abdeckung beidseitig mit dem Markennamen versehen wird (und ja, das Bild soll auf dem Kopf stehen), ist auch hier Mittelmaß das Ergebnis.



    Die Abdeckung ist pfriemelig manuell zu lösen, die Abdeckung des doppelten Boden geht nicht weit genug auf. Dafür gibt es eine nur wirklich kleine Ladekante, und die Heckklappe öffnet über die nahezu komplette Breite, sodass der Raum gut nutzbar ist.



    Leider führt die flache Heckscheibe zu dieser mäßigen Aussicht aus dem Innenspiegel, die ein Rangieren auch nur mit einer RFK wirklich ungefährlich werden lässt.


    Exterieur



    Anfangs war ich vom Stelvio nicht überzeugt. Der Buckel, der fast ein Coupe-Heck im Stile eines X4, die großen Xenon-Linsen, der Unterfahrschutz aus Plastik - all das war eine ungute Mischung. Nach einem Wochenende und einer Foto-Session relativiert sich das alles.



    Ja, die LED-Beleuchtung rundherum ist natürlich immer ein schneller Weg in mein Herz. Und auch der ikonische Scudetto, der spärliche Einsatz von Chrom und die beiden dicken, und vor allem, echten Endrohre sind Details, die gefallen.



    Der Buckel hilft vor allem der Aerodynamik und verhindert, dass die Scheibe bei Regen übermäßig nass wird, oder dreckig.



    So kommt mit den 19 Zöllern doch irgendwie alles zusammen, selbst wenn als Lack das eher langweilige Grau Grigio Stromboli ausgewählt wurde.



    Auch wenn mich die großen Linsen nach wie vor stören, trotz sehr sportlicher, schöner Schürzen, mit optischen Eckzähnen die das aggressive Maul umschließen. Dabei ist es mit dem o.g. Scudetto doch filigraner als bspw. das Audi Single-Frame Desing.


    Und vielleicht wird es ja beim Facelift was mit LED-Scheinwerfern. ;) Dann klappt es auch mit den Nachbarn Fernlicht, das nicht den Eindruck macht die rechte Linse sei defekt. ^^


    Fazit


    Kurz zusammengefasst: ja, ich habe einen Softspot für moderne Alfas. Ja, ich genieße ab und zu den gelegentlichen SUV.


    Würde ich also den Stelvio kaufen? Definitiv nein. Dafür ist er zu "wertstabil" aka teuer, auch junge Gebrauchte fallen nicht nur aus dem persönlichen Budget, sondern auch aus der Preis/Leistungs-Skala. Da können einfach viele Konkurrenten, auch günstigere, vieles besser.



    Würde ich den Stelvio wieder bei ner Autovermietung mitnehmen? Für PFBR direkt ganz sicher nicht (mal abgesehen dass ich das nie direkt buchen würde), aber als Upgrade wie hier gerne und mit Handkuss. Selten kommt man mit einem Auto auch mit nicht Auto-affinen Nachbarn leichter ins Gespräch, nie fühlt man sich exklusiver mit einem günstigeren Auto.


    Und als Auto ist der Stelvio als auch die Giulia nicht so schlecht wie es Alfas Ruf dem gemeinem Deutschen vorgaukeln möchte.



    Abschließend noch ein Danke an die lokale :202:-Station, das Auto war in nahezu gelecktem Zustand. Außen sogar gewachst und innen bis auf zwei, drei Spots in Neuwagenzustand. Und für einen netten Plausch inklusive Testsitzen war auch noch Zeit.


    Und wie immer der Hinweis für die ganz Peniblen: ja, das Fahrzeug kriegt vor Abgabe noch eine Behandlung in der lokalen Waschbox. 8o

  • Und was ist das für eine tolle Location? Erinnert mich son bisschen an die alten Steinbrüche oder Kiesgruben wo Cobra11 manchmal dreht.

    Auch auf dem bayrischen Hinterland gilt - wenn man nett fragt, kommt man nahezu überall rein. Und wenn man sich phonetisch dann sogar etwas angleichen kann (österreichische Familie & Aufwachsen in Bayern sei Dank), hat man sowieso gewonnen.


    Auch wenn man mehrfach dem ungläubigen Senior-Chef erklären muss, dass man Bilder von Mietwagen für das Internet macht. :D