Smart ForTwo | ShareNow

  • Für mich gab es heute für 2 Stunden einen Smart fortwo aus der ShareNow-Flotte in Düsseldorf. Meine Carsharing-Premiere, daher ein kurzer Bericht.


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    Ziel waren einige kurzfristige Erledigungen außerhalb von Düsseldorf (ca. 20 km BAB "raus" und wieder "rein"). Geplant war eigentlich einen Mini oder größer mitzunehmen, als dann aber beim Gang aus der Tür der Smart in direkter Nähe (2 Minuten laufen) auftauchte, ist er es geworden.

    Die Anmietung

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    Die Anmietung lief recht unkompliziert. Das Fahrzeug hatte ich bevor ich losging in der ShareNow App reserviert und nur wenige Minuten später halb auf dem Gehweg parkend vorgefunden. Per App hab ich dann noch schnell den entsprechenden Tarif gewählt (2 Std. + 0,19€/km) und die Miete begonnen. Das Fahrzeug wurde daraufhin entriegelt und mir wurde die recht üppige Schadensliste präsentiert. De facto einmal rundrum Kratzer. Also nur einmal kurz geschaut ob sonst alles an seinem Platz ist und keine sonstigen groben Beschädigungen vorhanden sind und dann eingestiegen. Den Fahrzeugschlüssel fand ich in einer entsprechenden Halterung im offenen Handschuhfach vor.


    Das Ganze hat keine 5 Minuten gedauert und problemlos funktioniert. :thumbup:

    Das Fahrzeug

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    Nicht nur meine Carsharing-Premiere, sondern auch meine Smart-Premiere. Daher eine kurze Einschätzung meinerseits, so präzise wie es nach ca. 2 Stunden und knappen 60 km mit so einem Fahrzeug möglich ist.


    Gefahren bin ich ein Smart fortwo Coupé aus Baujahr 2019 mit guten 20.000km auf der Uhr. Dies ist die dritte Generation des fortwo, welche seit 2014 als Kooperation zwischen Daimler und Renault (dort als Twingo) erhältlich ist und im "Smartville" in Hambach, Frankreich gebaut wird. Der forfour, sowie der gleichgroße Twingo, werden allerdings im Renault-Werk in Novo Meste, Slowenien gefertigt.


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    Angetrieben wird dieser fortwo von einem 71 PS starken Reihendreizylinder-Benzinmotor von Renault. Dieser, sowie die anderen Benzinmotoren mit 61 bzw. 90 PS, sind nicht mehr erhältlich. Im Zuge der Umstellung von Smart auf eine komplett elektrische Marke ist der seit 2017 erhältliche Smart Electric Drive/EQ mit einem 81 PS starken Elektromotor von Renault die einzig verfügbare Variante des fortwo.


    Angeflanscht an das im Heck werkelnde Kraftpaket mit maximal 91 Nm Drehmoment ist in diesem Fall nicht das standardmäßige Fünfgang-Schaltgetriebe, sondern das optionale Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe genannt "twinamic". Angetrieben wird ausschließlich die Hinterachse.


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    Dieser fortwo kommt in keiner der vier Ausstattungslinien (passion, perfect, prime, BRABUS Style) daher und wird somit "pure" genannt.


    Bei der Zusatzausstattung wurden aber immerhin einige Kreuze gesetzt.


    So hat er:

    • Klimaautomatik
    • Smart-Media-System mit Touchscreen, Bluetooth und Navigation
    • Elektrische Fensterheber mit Komfortbetätigung und Einklemmschutz
    • Tempomat mit Limiter (Serie)
    • Lederimitat
    • Sitzheizung
    • elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel
    • Panorama-Glasdach
    • "großer" Tank (35 Liter)


    Hat er nicht:

    • Alufelgen
    • Drehzahlmesser
    • LED-Scheinwerfer und Rückleuchten
    • Nebelscheinwerfer
    • sämtliche nicht-serienmäßigen Assistenten (aktiver Brems-, Spurhalte-, Parkassistent)
    • Regen-/Lichtsensor
    • Rückfahrkamera/PDC
    • DAB+
    • JBL Soundsystem
    • Ambiente Licht
    • Alarmanlage
    • Multifunktions-Lenkrad
    • höhenverstellbarer Fahrersitz
    • Abschließbares Handschuhfach
    • Mittelarmlehne
    • Kofferraumrollo



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    Trotz der recht überschaubaren Ausstattung fährt sich der fortwo erstmal nicht schlecht. Für die Stadt ist die Größe natürlich ideal, auch zügigeres Beschleunigen funktioniert aufgrund des geringen Gewichts recht gut. Der Wendekreis ist mit 6,95 Metern extrem klein, und das fällt tatsächlich sofort positiv auf. Zudem ist Übersichtlichkeit (natürlich) sehr gut.


    Er meistert also das, wofür er gebaut wurde, das FAHREN in der Stadt.


    Bei allem was darüber hinaus geht, hapert es.


    Das Multimediasystem ist IMHO alles andere als intuitiv. Es ist tatsächlich das erste Auto, bei welchem ich es nicht geschafft habe, meine Musik via Bluetooth abzuspielen. Das Handy lässt sich noch vergleichsweise einfach via Bluetooth verbinden (sowohl Anruf- als auch Medienaudio), aber möchte man die Quelle wechseln und wählt Bluetooth wird einem lediglich die Liste an Geräten angezeigt und bei einem Klick auf das eigene Smartphone wird dieses getrennt :rolleyes:. Ich gehe hier erstmal von einer Fehlfunktion dieses speziellen Systems aus, anders kann ich mir das nicht erklären.


    Zudem fehlt dieser Variante einfach etwas Ausstattung. Ein Drehzahlmesser wäre schön gewesen, auch der Tacho wirkt wie aus einem alten Benz Modell geklaut. Zudem fehlen Lichtsensor, Bordcomputer und etwas bessere Boxen, damit man diese dann auch lauter drehen kann, ohne dabei einen Hörsturz zu erleiden.


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    Hier liegt nämlich der nächste unschöne Punkt. Der von Renault stammende Motor. Grundsätzlich verrichtet er seinen Dienst, ist dabei aber sehr laut und mit einem nicht wirklich schönen Drei-Zylinder-Sound präsent. Auch wenn ich z.B. Fünf-Zylinder-Sound liebe, und der Drei-Zylinder ja grundsätzlich als "kleiner" Fünf-Zylinder gilt, war das einfach unterirdisch. Dazu gesellt sich eine serienmäßige Start-Stop-Automatik, die solange braucht bis sie den Motor wieder anwirft, dass ich das auch manuell machen könnte. Sowas ist für den Stadtverkehr dann einfach nicht geeignet, wenn man z.B. mal wieder an eine rote Ampel heranrollt, der Motor ausgeht und die Ampel dann auf grün springt. Bis man in diesem Fall loskommt, hat man mindestens einmal die Hupe eines Hinterherfahrenden gehört.


    Auf der BAB ist der Motorsound dann nochmals präsenter, da hilft auch der 6. Gang des DKG nicht wirklich viel. Aber auf die BAB gehört der Smart auch einfach nicht hin. Erstaunt war ich daher, dass er die Autobahn besser absolvierte als ich erwartet hatte. Ja, er wird ab 120 km/h recht instabil und folgt dem Wind (trotz serienmäßigem Seitenwind-Assistent) und den Spurrillen. Und ja, auch der Vortrieb wird ab 120 km/h sehr zäh. Aber die 20 km Autobahn konnte ich gut im Verkehr mitschwimmen (meistens sogar mit knapp 150 km/h, also der VMax). Auf dem Rückweg ging's dann über eine andere Autobahn mit 100er Limit, hier hat der serienmäßige Tempomat einen sehr guten Job gemacht. Damit lassen sich selbst im Smart kleinere Autobahnetappen entspannt fahren. Auf die Langstrecke würde ich damit aber dann auch nicht gehen.


    Ein weiterer Punkt sind die Sitze und die Lenkradposition. Ohne Sitz- und Lenkradhöhenverstellung ist die Sitzposition recht fixiert. Und, zumindest für mich, einfach nicht passend. Der Sitz ist selbst in der maximal hinteren Position zu weit vorne und das Lenkrad zu tief. Somit waren diese 2 Stunden auch die maximale Zeit, die ich in diesem Auto verbringen kann/möchte.


    Was mir zudem noch aufgefallen ist, ist die Wärmeentwicklung im Kofferraum. Ist natürlich durch den Heckmotor erklärbar, aber kalte Einkäufe würde ich hier, zumindest bei etwas längeren Fahrten, nicht unterbringen.


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    Der letzte Punkt auf meiner Liste ist die Preis/Leistung. Nachkonfiguriert komme ich auf ca. 16.400€ BLP im Jahr 2019. Finde ich irgendwie in Ordnung, man zahlt nun mal auch den Namen "Smart". Zudem gibt es nur wenige Konkurrenten. Aus dem Kopf fallen mir die Drillinge aus dem VW-Konzern ein (up!, citigo, Mii) sowie der Twingo. Dieser konkurriert von der Größe aber eher mit dem forfour, mit welchem er sich 70% des Unterbaus teilt.

    "Abgabe"

    Nachdem alles erledigt war, habe ich das Fahrzeug an geeigneter Stelle geparkt und den Schlüssel wieder an die vorgegebene Position gelegt. Danach ließ sich die Miete per App einfach beenden, ca. 30 Minuten vor Ablauf meines 2 Stunden-Slots.


    Eine Sache die mich während der Miete kurz in Schweiß ausbrechen ließ war, dass das Auto nach kurzen halten (Auto war nicht verriegelt, Türen nicht mal geschlossen, Motor aber aus, für vielleicht 5 Minuten) nicht mehr ansprang. Erst dachte ich tatsächlich die Batterie wäre leer und malte mir schon aus jemanden um Hilfe bitten zu müssen. Glücklicherweise warf ich vorher verzweifelt nochmal einen Blick auf mein Smartphone, welches mir via Benachrichtigung von ShareNow mitteilte, dass der Motorstart gesperrt worden sei, und, dass ich das doch bitte über die App freischalten soll. Danach sprang der Motor dann auch an. Warum dies nicht einige Minuten früher (da stand der Wagen abgeschlossen für 5 Minuten auf dem Parkplatz) und später (selbe Situation) auftrat, kann ich nicht sagen. Nachdem man sowas weiß, ist es ok, aber als Neuling in dem Bereich jagt das einem doch einen ganz ordentlichen Schreck ein.

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  • Ganz schön viel Bericht für so ein kleines Auto, aber nett geschrieben. Stell dir vor, du hättest den Vorgänger mal bewegt, der war noch bei weitem schlechter mit der Automatik und vom Lärm. Ich find den Smart für den Preis viel zu teuer. Aber gar nicht mitbekommen, dass es den nur noch elektrisch gibt, wo nimmt dann ShareNow den Nachschub demnächst her?

  • Ganz schön viel Bericht für so ein kleines Auto, aber nett geschrieben. Stell dir vor, du hättest den Vorgänger mal bewegt, der war noch bei weitem schlechter mit der Automatik und vom Lärm. Ich find den Smart für den Preis viel zu teuer. Aber gar nicht mitbekommen, dass es den nur noch elektrisch gibt, wo nimmt dann ShareNow den Nachschub demnächst her?

    das ist dann der Fiat500

    Bis es den dann auch bald nicht mehr gibt sondern auch nur noch als Elektro.


    die smart Lager sind ja immer noch voll mit tausenden auf Halde produzierten Autos, also wer noch einen haben will, findet welche. Nur alles n bisschen festgerostet :)

  • Bei meinen paar Smart-Erfahrungen galt die Bewunderung immer dem Vertrieb, der es immer noch schafft, dieses Elend zu diesen Preisen an den Privatkäufer zu bringen. Ansonsten erlebt man ja so einen armseligen Innenraum kaum in einem anderen Mietfahrzeug in Deutschland (es sei denn, man ergattert einen richtig nackten i10 oder Picanto bei Enterprise). Den Fiat 500 empfand ich immer als um Welten angenehmer, sowohl was den Innenraum angeht, als auch das Fahren.

    Einzig der Wendekreis ist super. Letztens habe ich einen Forfour in Griechenland gefahren und selbst der Forfour war herausragend, was das sehr steile Abbiegen oder Umdrehen in Straßen angeht, wo man bei keinem anderen Fahrzeug es für möglich gehalten hätte, ohne den Rückwärtsgang einzulegen.

    Einmal editiert, zuletzt von shachtyor ()

  • Das mit der automatischen Motorsperre hat mich bei Share Now auch schon einmal erwischt.

    Ich habe das Auto dann mehrmals ein- und ausgeschalten, mit Handbremse, ohne, verschiedene Reihenfolgen, es zugesperrt, aufgesperrt, erneut versucht zu starten. Habe danach im Handbuch und online gesucht was das Problem sein könnte. Im Tachodisplay der A-Klasse stand ja nur "Handbremse kann nicht gelöst werden" oder sowas ähnliches.


    Das hat bestimmt zwanzig Minuten gedauert und war weit außerhalb der nächsten Stadt. Bis ich dann auch irgendwann die Meldung auf dem Smartphone gesehen habe. Gerade noch rechtzeitig vor einem peinlichen Anruf beim Share Now Kunden-Service.

  • An so einem Anruf ist doch nix peinlich wenn die Spezialexperten von ShareNow ihre IT nicht im Griff haben. Das ist schließlich deren Fehler. Die 20 Minuten würde ich mir per Beschwerde an der Hotline versuchen wieder zurückzuholen (zumindest als Guthaben), es kann ja echt nicht sein dass man bei einer kurzen Fahrt mit dem "Premium"-Carsharing erstmal deren Software debuggen muss.

  • Finde ich irgendwie in Ordnung, man zahlt nun mal auch den Namen "Smart".

    Aber wieso zahlt man für den Namen Smart, wenn man vor dem Kauf sich rein gehockt hat?

    Ich meine, so sah 2020 der Ganghebel und die Knöpfe 2020 aus.

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    Selbst Elektrogeräte unter 10€ inkl. Versand von Aliexpress sehen 2020 teilweise edler aus und sind haptischer. Erwartet man denn beim Kauf eines Hipster-Premium-Kleinstwagens wirklich diesen lieblosen gegossenen Kunststoff, für dessen Gestaltung scheinbar kein Euro übrig bliebt, nachdem man sich an den markanten Anzeigen so toll ausgetobt hat.

  • Aber wieso zahlt man für den Namen Smart, wenn man vor dem Kauf sich rein gehockt hat?

    [...]

    Selbst Elektrogeräte unter 10€ inkl. Versand von Aliexpress sehen 2020 teilweise edler aus und sind haptischer. Erwartet man denn beim Kauf eines Hipster-Premium-Kleinstwagens wirklich diesen lieblosen gegossenen Kunststoff, für dessen Gestaltung scheinbar kein Euro übrig bliebt, nachdem man sich an den markanten Anzeigen so toll ausgetobt hat.

    Wer und wieso man dafür so viel zahlt weiß ich auch nicht.

    Aber man verbindet den Namen Smart einfach mit diesem kleinen, mehr oder weniger praktischen, Stadtflitzer. Zumindest ist das bei mir so drin.

    Daher kann ich mir gut vorstellen, dass das viele Kunden die so ein Auto suchen erst einmal in die Richtung Smart zieht.


    Dann dürfte da noch der 'Lifestyle'-Faktor sein. Man kann den Smart außen farblich beliebig konfigurieren/zusammenstellen, das scheint für viele der Kunden ja wichtig zu sein. Ob das innere dann noch so wichtig ist? Und mit genug Geld lässt es sich innen ja auch etwas "upgraden".


    Aber ja, ich gebe dir recht, die Verarbeitung innen gehört definitiv nicht zu den positiven Aspekten des Autos.

    Einmal editiert, zuletzt von Emare212 ()