Besser als nichts: Mercedes-Benz C200d Limousine | Sixt Rheine

Nanu? Was ist denn das? Gar nichts zu merken. Kein Ruckler, kein Drehmoment-Schluckauf, kein Rühren im Wandler. Es ist das Getriebe, das zuerst stutzig werden lässt. Irgendwas ist hier richtig gut. Ich sitze in einem Mercedes mit karger Ausstattung und stelle mich auf keine Besonderheiten ein. Und dann das. Es fährt hier ein perfektes Getriebe an einem bärenstarken Diesel auf einem ultra stabilen Fahrwerk. Damit hätte ich nicht gerechnet.

Der dürfte auch C250 heißen. Okay, nicht übertreiben: C220d

Irgendwo im Münsterland, kurz vor Weihnachten. Jemand schaut in seine Sixt-App in froher Vorfreude auf den geblockten Winterschlitten. Doch nichts passiert. Auch am Morgen der Abholung tut sich nichts. Stille Nacht, ach du heiliges Blechle. Soll das gut enden? Sollte es. So trägt es sich zu, dass ich mit einer schnöden IDMR-Reservierung am Sixt-Schalter stehe und mir vom vollen Hof das Beste heraussuchen darf. Etwas richtig unvernünftig Schönes ist nicht dabei. Sharan oder S-Max für viel Platz, nette 190-PS-Diesel-Leon, diverse Gölfe, ein Touareg. Und eben drei schwarze C-Klassen, alle drei auf den schnellen Blick gleich mittelgut ausgestattet. Zu einer davon wandert der Schlüssel über den Tresen. Kein Keyless, kein Schiebedach, nur statische LED, keine Distronic, kein besonderes Polster, nur Plastik-Hochglanz-Klavier, ja nicht einmal Fußmatten.


Dann muss er eben einfach nur fahren, denke ich mir. Und da auf einmal zeigt er Qualitäten, die ich erstens von Mercedes anders gewohnt war und mich zweitens voll überzeugen. Antrieb, Lenkung, Fahrwerk machen auf Anhieb Freude und vermitteln zwar Verbindlichkeit ohne aber zu sportlich wirken zu wollen. Die Gaspedalkennlinie könnte etwas linearer sein. Hier kommt erstmal lange nichts und dann plötzlich sehr viel. Beim Superb habe ich das genau anders herum in Erinnerung. Der 1.6er im C200d könnte hier glatt als C220 durchgehen. So gut geht der Diesel. Spontan, kräftig und mit Nachdruck zieht er auf der Autobahn durch und bleibt dabei wunderbar sparsam. Die Winterreifen limitieren die Höchstgeschwindigkeit auf 210 km/h. Zwischenspurts lassen vermuten, dass er laut Tacho 235 - 240 schaffen könnte.


Da kann sich ZF noch einen Gang abschneiden: Der Mercedes 9-Gang-Wandler im C200d

Der C200d entpuppt sich als souveräner Autobahn-Kilometerfresser. Ja, beim Ausdrehen wird der Diesel laut. Ja, die Windgeräusche ließen sich bestimmt mit Akustikverglasung besser im Zaum halten. Sonst finde ich antriebsseitig keine Schwächen. Und ja, das überrascht. Weil die ZF 8HP bei Jaguar, Audi und BMW eigentlich das Maß der Getrieberäder war. Nun messe ich eben diese an der 9-Gang Eigenentwicklung von Mercedes. Während der Motor einfach den motivierten und genügsamen Arbeiter gibt, sticht die Zahnradsammlung einfach alles. Sie fühlt sich fast zu gut an - für eine C-Klasse. Nun wird das gleiche Getriebe auch in E- und S-Klasse und deren SUV-Brüder gepflanzt. Da wird die Geschmeidigkeit dem Auftritt der Karosserie gerecht. Ich bin deshalb so baff, weil ich Mercedes-Getriebe noch bis von Kurzem anders in Erinnerung hatte. Sie rührten auch noch bei hohen Gängen im Wandler, der Kraftschluss wollte nicht so doppelkupplungsmäßig klappen. Der erste Gang war so kurz, dass oft im 2. Gang angefahren wurde. Warum? Heute ist alles besser. 200d könnt ihr machen. Auch ohne Fußmatten. Der Antrieb entschädigt für alles.


Technische Daten: Mercedes-Benz C200d

  • Motor: 1.6 R4-Turbodiesel
  • Leistung: 160 PS (118kW) @ 3800 U/min
  • Drehmoment: 360 Nm @ 3200 - 4600 U/min
  • Getriebe: 9-Gang-Automatik
  • Kraftübertragung: Hinterradantrieb
  • 0 - 100 km/h: 8,5 sek
  • Vmax: 226 km/h
  • Gewicht: 1555 kg
  • Errechneter Verbrauch: 6,9 Liter Diesel / 100km
  • Angegebener Verbrauch: 5 - 4,3 Liter Diesel / 100 km
  • BLP: 51955 Euro

    Kommentare 2

    • Da bekommt man fast selber Lust, mal wieder eine C-Klasse zu fahren. Schön geschrieben! :)

      Mein Vater fährt ja selber so einen C 200 d. Okay, der heißt da noch C 200 CDI und stammt von der Vorgänger-Generation (Baureihe 204). Dieser liefert bei schlanken 136 PS auch schon solide 360 Nm wie das neue Modell - nur eben schon zwischen 1600 und 2600 Nm. Der Hubraum von gut 2,1 Litern macht sich da bezahlt. Die maximale Leistung erreicht er auch schon bei 2800 U/min. Damit kann man wirklich sehr entspannt auf der Drehmomentwelle surfen und vergisst jegliche Hektik des Alltags. Flotter ist fraglos das neue Modell und erinnert mich dabei an mein allererstes FDMR-Fahrzeug überhaupt: Den 320d mit 163 PS (der übrigens bei 6,7 l/100 km am Ende landete). Damals hat man nicht gejammert, dass Leistung fehlt und war damit zufrieden...

      • Nee, der fühlte sich deutlich spritziger und lebendiger an, als die inzwischen schlanke "200" vermuten lassen würde. Antriebsseitig würde ich die C-Klasse genauso nehmen. Hätte ich nicht gedacht.