UPDATE Europcar & VW: Verkauft Eurazeo seine Anteile an Europcar?

Noch im Mai hatte sich das Management von Europcar in einer Finanzierungsrunde rund 307 Millionen Euro gesichert. Dieses Geld wird aber nicht ewig reichen. Noch immer ist der Reisemarkt durch die Corona-Krise nicht zur Normalität zurückgekehrt. Noch immer gibt es starke Verunsicherunge bei Reisenden und viele Auflagen, keinen Impfstoff und eine zweite Welle, die möglicherweise bevorsteht. Europcar braucht also einen finanzstarken Partner, der mit an Bord kommt. Eurazeo ist laut der Nachrichtenagentur Reuters bereit, seine Anteile abzugeben. Weder VW noch Apollo haben bisher ein Gebot für die Anteile von Europcar abgegeben. Auch wenn es zu einer Einigung kommt, dürfte es für eine komplette Übernahme noch in diesem Jahr fast zu spät sein, da ein solcher Akquise-Prozess durchaus ein Jahr in Anspruch nehmen kann.

Es gibt zu viele Mietwagen(-Anbieter)

Bauern haben ein Problem: Sie bekommen für Ihre Produkte keine fairen Preise. Der Grund liegt stark vereinfacht geschrieben im Marktdruck: Saisonal stark schwankende Produkte werden dem Verbraucher zu einem konstanten Preis in die Supermärkte gestellt. Dass dieser Preis zu billig ist, liegt im Überschuss. Es wird beispielsweise 10% mehr Milch produziert als verbraucht werden kann.


"Schöne Einleitung", werden sich die Leser denken. "Aber was hat das jetzt mit Autovermietungen zu tun, können wir mal btt kommen?". Absolut: Autos gibt es auch zu viele. Es werden mehr Neuwagen produziert, als direkt abverkauft werden können. Das Ergebnis sind hohe Rabatte von bis zu 40% auf den Bruttolistenpreis und ein bisweilen gefährlicher Wettbewerb der Autohersteller. Den in jüngster Vergangenheit zum Beispiel Lancia und Saab nicht mehr mitgehen konnten.


2019 wurden 419.000 PKW und LKW bis 3,5 Tonnen als Mietwagen durch Autovermietungen neu zugelassen. Bei einem Gesamtvolumen von 3.607.258 Neuzulassungen im gleichen Jahr ist das ein Anteil von rund 11,6%. Die Wahrscheinlichkeit, einen Mietwagen auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu begegnen, liegt also nicht so fern wie man vermuten würde.


Nehmen wir als konkreten Fall, über den in den Medien übereinstimmend berichtet wurde: Volkswagen erwägt den Kauf von Europcar.

Welche Beweggründe sprechen für einen Kauf?

  • Attraktivität der AV-Flotte durch Einkonzern-Politik stärken ("Bei EC bekomme ich nur VW-Konzernmarken, bingo!)
  • Überkapazitäten für den GW-Markt hinauszögern
  • Werke gezielter auslasten
  • Auslaufende Modelle nicht durch hohe Neuwagenrabatte verschleudern sondern bei der AV "zwischenparken"
  • Neue Modelle schnell in den Markt und werbewirksam auf die Straßen bringen
  • Zulassungszahlen gezielter steuern um Unternehmensziele zu erfüllen um den Aktienkurs zu stabilisieren
  • Produktests bei der Autovermietung durchführen, zB durch dezidierte Aktionen mit Elektro-Modellen
  • Eigenes Carsharing national ausrollen
  • Damit CO2-Ausstoß der Flotte rechnerisch verkleinern
  • Nachfragetrends der Endnutzer erkennen und in die Entwicklung einfließen lassen
  • Eigene GW-Plattform (hey car) gezielt mit jungen Gebrauchten speisen
  • Händler als Stationen ansprechen - Mobilitätskunden (nicht nur Käufer) in Autohäuser locken
  • Europcar war bis 2006 ein Teil von Volkswagen und wurde für drei Mrd. Euro an Eurazeo verkauft

Was spricht dagegen, dass VW Europcar kaufen sollte?

  • Mit VW Financial Services bereits eine hauseigene AV an Bord
  • Geschäftszahlen von VWFS ohne ausgewiesene Gewinne
  • Europcar erzielt trotz Umsatz in Höhe von drei Mrd. Euro gerade einmal 45 Mio. Euro Gewinn
  • Vermutlich ausschließlich VW-Konzernmarken in der AV
  • Ungewisse Zukunft der Tochterfirmen und Untermarken von Europcar (InterRent, Buchbinder, usw.)
  • VW ist lt. Medienberichten nicht der einzige Interessent, ein Bieterverfahren könnte den Preis nach oben treiben