Europcars berühmter 8.5 oder wie eine Reservierung bei Grün von Orange bedient wurde

  • Ihr erinnert euch? Ende November hatte ich eine One-Way Reservierung von Frankfurt Main Flughafen nach Dresden bei Europcar. Wer die Details noch einmal lesen möchte:


    Der Beginn


    Der Versuch ordentlich bedient zu werden


    Die Resignation und der Versuch doch einfach mal etwas auszuprobieren


    Die Kurzfassung ist: Europcar konnte meine LDAR Miete nicht vernünftig bedienen (erst ein CLS auf Sommerreifen, dann ein A6 der auf Grund seines extremen Rauchgeruchs bei weitem nicht mehr als vermietbereit zu deklarieren wäre, dann ein Golf als Übergangslösung mit der Zusage vor meiner Abfahrt nach Dresden ein passendes Fahrzeug zu finden, am Tag darauf das Angebot einen Jeep Compass zu nehmen oder den Golf zu behalten und schließlich mein Entschluss zu Sixt zu gehen und zu schauen, wieviel denn an dem berühmten 8.5 von Europcar dran ist. Für diejenigen, die diese Vorschrift nicht kennen - in den Vermietbedingungen gibt es unter dem Oberbegriff "Bedingungen Online Reservierungen" den Abschnitt 8 "Reservierungsgarantie". Darunter wiederum gibt es den berüchtigten 8.5, der folgendes beinhaltet:

    Ich hatte dann als ich zum xten Mal an dem Wochenende an einem Europcarschalter stand und nicht bedient werden konnte die Nase so dermaßen voll, dass ich mir sagte - wann wenn nicht jetzt! Ok, es gibt kostentechnisch sicherlich denkbar bessere Momente auszuprobieren, ob mir Europcar tatsächlich ein Auto bei einem anderen Vermieter zahlt als mitten in einer Pandemie an einer leergefegten Flughafenstation WalkIn und OneWay. Aber wie ja unter dem letzten oben von mir geposteten Link nachzulesen ist - ich wollte es dann einfach mal durchziehen und nicht mit Friss oder Stirb abspeisen lassen.


    Die Ausgangslage also:


    Europcar Reservierung LDAR von FFM nach DD für 153,72 EUR.


    Sixt Ausfallbedienung für 380,41 EUR (die bedienende RSA kam aus dem Grinsen auch nicht mehr heraus). Ne Menge Holz für die es sich doch zu kämpfen lohnen sollte.


    Ich ließ mir also von Europcar auf dem Mietvertrag bestätigen, dass meine Reservierung nicht klassengerecht bedient werden konnte ( EUROwoman. du kannst stolz auf dich sein), zuvor hatte ich bereits am Morgen in der App die Buchbarkeit von LDAR überprüft und einen entsprechenden Screenshot angefertigt und dann spielte die Reservierung am Sixtcounter ein. Nach meiner Rückkehr nach Dresden wartete ich noch bis zum Wochenende auf das Eintreffen der Europcarrechnung und Sixtrechnung und siehe da - zumindest hatten sie nicht den kompletten Mietpreis berechnet, sondern DCAR für den Golf und auch nur für zwei Tage ohne OneWay. Somit reduzierte sich der Europcarmietpreis schon mal auf 44,09 EUR. Immerhin 109,63 EUR weniger. Aber trotzdem hatte ich ja für das Sixtfahrzeug mehr als das Doppelte des eigentlichen Mietpreises gezahlt, von dem ganzen Hickhack mal abgesehen. Also formulierte ich eine ausführliche Nachricht an den Kundenservice von Europcar. Dafür habe ich tatsächlich das Kontaktformular genutzt, da ich so eine Eingangsbestätigung bekommen würde. Ich führte detailliert aus, wie der ganze Anmietprozess in die Hose ging und dass mir letztlich nichts anderes übrig blieb als zum Wettbewerber zu gehen und mich dort bedienen zu lassen und ich auf Grund der Europcarbedingungen jetzt gerne die Mehrkosten dafür erstattet hätte. Die beliefen sich summa summarum immer noch auf stattliche 270,78 EUR.


    Also schickte ich alles inkl. der Screenshots, Rechnungen, Photos usw. mit der Aufforderung zur Zahlung innerhalb von zwei Wochen ab und erhielt dann auch umgehend die automatisierte Eingangsbestätigung. Das war am 5.12.20. Dann passierte erst mal - nichts.


    Zu meiner Überraschung erhielt ich dann am 14.12.20 folgende Nachricht:


    Zitat
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich habe Ihr Anliegen geprüft und kann Ihnen mitteilen, dass ich Ihnen den Betrag gerne gutschreiben möchte. Zur Bearbeitung Ihrer Anfrage benötige ich nähere Angaben: Adresse: Vorname, Name Straße, Hausnummer Postleitzahl, Ort Zahlungsmittel: IBAN: KK: Typ / Nummer / Ablaufdatum Bitte achten Sie darauf, dass die o.g. Daten notwendig für die manuelle Erstattung des reklamierten Betrages sind. Ohne die Daten können wir auch die Gutschrift nicht durchführen, daher bitten wir Sie uns die gesamten Daten zu senden. Ich bedauere diesen erneuten Aufwand. Nur so kann ich jedoch Ihre Anfrage gezielt bearbeiten. Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung. Viele Grüße,


    Meine IBAN hatte ich ja bereits in meinem Forderungsschreiben mitgeteilt und auch meine anderen Daten sollten vorhanden sein, aber ok ich habe noch einmal darauf geantwortet, lediglich die Kreditkartendaten habe ich nicht übermittelt, da ich hierfür kein Erfordernis sah. Am 15.12.20 wurde sich bedankt und noch einmal nach der Sixtrechnung gefragt (ok, gerne nochmal, auch wenn ich die bereits im ersten Schreiben geschickt hatte) und dann passierte wieder - nichts. Daher hakte ich am 21.12.20 noch einmal nach, in der Hoffnung vor Weihnachten eine Rückmeldung zu bekomme, es kam aber nichts. Gut, über die Feiertage habe ich das dann ruhen lassen, als dann aber einige Tage nach Neujahr immer noch nichts passierte, rief ich die Hotline am 7.1.21 an und wurde auch recht flott mit der entsprechenden Abteilung verbunden. Unter Angabe der Fallnummer wurde mein Anliegen auch schnell gefunden, fleißiges Tippen im Hintergrund und dann die Nachricht: "Der Kollege hat das bereits bearbeitet und wartet noch auf eine Rückmeldung aus der Buchhaltung, es sollte aber bald geklärt sein, ich hinterlege hier eine Notiz dass er sich dann bei Ihnen meldet". Ok, na gut, dann warte ich noch ein wenig.


    Dann erreichte mich tatsächlich am 10.1.21 (ja am Sonntag) die Nachricht "meines" Bearbeiters mit dem Inhalt, dass die Zahlung freigegeben wurde und ich den Geldeingang in den nächsten Tagen auf meinem Konto verzeichnen kann. Im Anhang noch ein Schreiben mit der Überschrift "Kulanzerstattung" und tatsächlich dem von mir geforderten Differenzbetrag i.H.v. 270,78 EUR. Dann also ab Montag jeden Tag aufs Konto geschaut und tatsächlich heute früh auf meinem Bankkonto Eingang der Zahlung von Europcar in vollem Umfang.


    Da soll mal einer sagen, der Europcarkundenservice tauge nix. Ich kann jetzt 0,0 einschätzen, warum das Ganze in einer sogar verhältnismäßig kurzen Zeit funktioniert hat. Man muss ja auch bedenken, dass das ein riesiger Konzern ist und Weihnachten + Neujahr dazwischen lag. Ich habe gut einen Monat nach Darlegung meiner Forderung tatsächlich den Betrag gutgeschrieben bekommen. Man kann darauf jetzt mit Sicherheit keine Regel ableiten, aber zumindest habe ich den Nachweis erbracht, dass es möglich ist das zu machen, worüber hier schon ein paarmal spekuliert wurde - eine wesentlich teurere Miete beim Wettbewerber zu nehmen und diese sich von Europcar bezahlen lassen. Klar, ich hatte mich auch vorausschauend abgesichert, indem ich alles feinsäuberlich dokumentiert habe. So oder so - es ist geschafft und zwar ganz ohne Klagedrohung oder gar Einsatz einer Rechtsschutzversicherung.


    Bevor jetzt aber alle fleißig losrennen und ein Vielfaches bei Sixt investieren, wenn Europcar nicht liefern kann - seid euch bewusst, dass es auch schief gehen könnte. Dann sitzt ihr auf den Mehrkosten und vielleicht sogar noch den ursprünglichen Mietkosten und müsstet euch es im Zweifel einklagen. In meinem Fall waren der Einsatz die 380 EUR die ich bei Sixt gezahlt habe.


    Das Schöne ist, abgesehen vom Ausgleich meiner Mehrkosten an sich - jetzt kann ich endlich meine Mietwagenübersicht für 2020 fertigstellen und die Kosten pro Kilometer sind gleich mal gesunken dadurch.

  • Top! Endlich mal jemand der nicht nur jammert und Sprüche klopft sondern es einfach durchzieht! Gut gemacht :thumbup:


    Um es mal weiter zu eskalieren und nach oben zu treiben am Beispiel Sixt: "Reservierungen bzw. Prepaid Buchungen sind für Preisgruppen verbindlich".


    Was ist eine Preisgruppe? Kann ich also bei gebuchtem LDAR und einem super Touareg Upgrade den gleichen Weg gehen? Ich habe nichts von "Upgrade-Annahmepflicht" gelesen :106:

    Einmal editiert, zuletzt von Pixelfehler ()

  • Bei Sixt gibt es auch keinen entsprechenden Passus, auf den man sich berufen könnte. Daher wäre das auch gar nicht notwendig.

    Bedarf es den Passus denn konkret? Sixt schreibt, dass eine Buchung/ Reservierung für die Preisgruppe VERBINDLICH ist. Somit würde Sixt seinen Teil des Vertrages nicht erfüllen und wird ggfls. Schadensersatz (anderer Vermieter) pflichtig...?


    Ich fände es gut, wenn Maximilian123 hier mal Licht ins Dunkel der Sixt AVB bringt.

    Einmal editiert, zuletzt von Pixelfehler ()

  • Der Unterschied ist hier aber, dass du eben Schadensersatz fordern müsstest für den Schaden (die Mehrkosten bei einem anderen Vermieter zu mieten) der dir entstanden ist. Du musst dich dann daher mit den §§ 280 ff. BGB auseinander setzen (Max wird das sicher gut subsumieren können - meine ich ganz ohne Ironie) und darauf deinen Anspruch aufbauen und einfordern. Bei Europcar hingegen steht ganz eindeutig in deren eigenen AGB wie der Ablauf ist, wenn sie meine Reservierung nicht ordnungsgemäß bedienen können. Sie greifen also im Prinzip vor und schreiben konkret in ihre AGB wie der Ablauf im Falle einer nicht zufriedenstellenden Leistungserfüllung (oder sogar gar nicht vorhandenen) abläuft.


    Ob denn dann jeder Richter dir zugestehen wird, dass du für mehr als 100 % Preisaufschlag einfach zum nächsten Vermieter marschierst, nur weil du nicht einsiehst Passat (oder in meinem Fall Jeep Compass) statt A6 zu fahren, kann zumindest bezweifelt werden. Es kann funktionieren, aber bei Sixt ist es ungleich komplizierter, weil dir zur Durchsetzung deiner Ansprüche nur abstrakte Normen zur Verfügung stehen und bei Europcar sachspezifische AGB.

    2 Mal editiert, zuletzt von Dresdner ()

  • Habe das mit Europcar auch einmal durchgezogen. Nicht über AGB sondern mit dem Argument prepaid gebucht, ist für mich verbindlich und damit auch für europcar. Am Ende gab es die Differenz ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. Den Mitarbeitern sag ich immer „Unternehmen lernen nur wenn es Geld kostet“ das verstehen die meisten.


    Bei Europcar gab es gar kein Auto, hab dann gleiche Klasse bei Avis gebucht. Wobei ich schaden so gering wie möglich gehalten habe. Bei sich würde ich das auch durchziehen wenn es mal passiert.

  • Jaja, das mit dem Prepaid hab ich kürzlich auch durchgezogen. Was hat's mir gebracht? Das reservierte Auto bekommen (M4), aber auf Winterreifen. Nächstes Mal gehe ich wieder direkt zu orange, da gibt es wenigstens Ausweichmöglichkeiten :rolleyes: