Die Halbleiterproblematik und Folgen für den Automarkt

  • Ich hoffe nur, dass Sixt und die anderen Früher oder Später auf die Schnauze fliegen. Hatte das ja neulich schonmal angerissen, gerade im Bezug auf die Geschäftskunden.
    Das Problem ist nur, dass die Leute ohne Auto mit kurzfristigem Fahrzeugbedarf einfach keine Alternativen haben. Selbst für Leute, die sich einen mittelfristigen Bedarf schönrechnen und auf Autoabos schielen, werden ja aktuell auch massiv geschröpft, das ist ja komplett absurd bis hin zu Wucher im Momement mit diesen absurden, monatlichen Zusatzkosten.

  • Ist halt der Markt: Kaum Angebot aber hohe Nachfrage -> hohe Preise

    Hab's hier schon mal gesagt, aber vor Q4 2022 wird es keine Entspannung am Halbleiter- und dadurch auch am Automarkt geben.

    Die Effekte treffen ja nicht nur den Mietmarkt, sondern auch Abo, Leasing, Kauf und auch der Gebrauchtwagenmarkt hat mittlerweile Zustände angenommen die man am besten einfach aussitzt.

  • Ich verstehe nur nicht, dass die Autobauer nicht einfach ein Vielfaches des Normalpreises für die Chips zahlen, bevor sie viel weniger verkaufen und die Produktion stillsteht. Da muss doch was gehen.

  • Angesichts der Gewinnmarge pro Fahrzeug ist der Spielraum limitierter als man annimmt.


    Zumal Apple und co für die Chips einfach höhere Lose über längere Zeiträume kaufen können, was in der Chipproduktion für die Planung sehr wichtig ist

  • Um es mal ganz platt zu sagen:
    Autohersteller mit ihrer läppischen Nachfrage sind einfach zu weit hinten dran was die abgenommenen Mengen angeht.

    Zusätzlich haben die Hersteller "Angst" vorm Bullwhip effekt und produzieren nicht mehr, als davor auch.

    Ergo kann ein Hersteller sich auf den Kopf stellen, aber es gibt halt keine HL, oder man müsste sie kaufen zu Preisen, die dann der Endkunde nicht bereit ist zu zahlen.

  • Ich weiß ja nicht, wieviel Halbleiter kostenmässig in so einem Oberklassefahrzeug steckt. Aber wenn man 1000 oder 2000 Euro dafür mehr zahlt in der Herstellung, dann sollte das immer noch lukrativ sein und macht mehr Sinn als keine Autos zu produzieren und die Leute in Kurzarbeit zu schicken.

    Einmal editiert, zuletzt von Viennaandy ()

  • Autohersteller nehmen Chipbestellungen wegen Corona zurück.

    Chiphersteller verkauft seine Herstellungskapazität an jemand anderen.

    Autohersteller will mehr Chips.

    Chiphersteller sagt: hättste mal früher was gesagt, ich hab keine Kapazität bis der Vertrag mit dem Ersatz ausläuft.


    und wenn jetzt noch dazukommt, dass der Chiphersteller mit dem Ersatz mehr verdient, dann kann der Autohersteller anfangen die Chips selbst herzustellen… das geht aber nicht innerhalb von Wochen oder Monaten.

    So stell ich mir die Realität vor :)

    Einmal editiert, zuletzt von EUROwoman. ()

  • Ich verstehe nur nicht, dass die Autobauer nicht einfach ein Vielfaches des Normalpreises für die Chips zahlen, bevor sie viel weniger verkaufen und die Produktion stillsteht. Da muss doch was gehen.

    Und was ergänzend für mich auch unlogisch ist:


    Ok, die Automobil OEMs haben die Aufträge an die Halbleiterfabrikanten gekürzt in 2020.

    Letzere haben dann Aufträge an andere Branchen ergeben wie Consumer, TV/Haushaltswaren, Smartphones etc.


    Nun versteh ich, dass da was fehlt für die ICs für die Autombilen, aber die Leute kaufen doch nicht endlos lange und sov viel mehr "Consumer" Technik als in 2019?!

    Und ich mein die Produktionsanlagen waren doch 2019 auch bereits vorhanden womit man auskömmlich alle Sektoren bedienen konnte. Wo sind die Kapazitäten bitte schön hin?

    Einmal editiert, zuletzt von Biker2010 ()

  • Ich kann jetzt nicht sagen wie es in der Chipbranche aussieht, aber ich weiß von vielen Gießereien, die sich weigern für die Automobilindustrie zu produzieren. Sehr kleine Gewinnmargen und hoher Druck. Gibt es eine Nachfrage aus anderen Branchen wird diese bedient. Gerade VAG ist da nicht sehr beliebt. Könnte sicher bei der Chipindustrie ähnlich sein.


    TALENTfrei Die Konsequenz wird nur leider sein, das sehe ich ja auch an mir, dass viele wieder zum eigenem Fahrzeug zurück kehren werden, um genau für solche Situationen gerüstet zu sein. Die Verkehrswende wurde dadurch um Jahre zurück geworfen, denn das Mietauto ist aktuell keine Alternative.

  • Biker2010 jede 2. Waschmaschine, Geschirrspüler und so weiter hat heute n WLAN Chip, damit Informationen an eine App geliefert werden. Das war vor 2-3Jahren nicht so.

    Und das ist ja nur ein Beispiel.

    Dazu die höhere Nachfrage, weil die Leute in Entwicklungsländern sich mehr leisten können?

    Da können kleine Änderungen zu extremen Effekten führen.

  • EUROwoman.

    Ja, grundsätzlich geb ich Dir recht: Vor 3-5 Jahren war deutlich weniger Technik drin.


    Allerdings nochmal die Frage:

    Warum soll sich das seit Ende 2019 bzw. März 2020 (also knapp vor Corona Ausbruch) so massiv verändert haben?

    Da hatten die Länder doch auch nicht wesentlich mehr Kaufkraft und die hochentwickelten Devices gabs da ja auch alle schon.

    Und gebrummt hatte die Wirtschaft bis dahin auch bereits ohne Ende.


    Hatte zuvor zumindest nie von großartigen Engpässen gehört.



    PS: cram Bitte gerne auch verschieben in den Laberthread Thread, falls too much OT.

    3 Mal editiert, zuletzt von Biker2010 ()

  • Die Fahrzeuge vieler, vor allem europäischer Hersteller setzen auf recht veraltete Chiptechnologien, die zwar eine höhere Stabilität aufweisen sollen (haha VW..), allerdings nicht mehr den modernen Fertigungsstandards entsprechen. Die Chiphersteller müssten jetzt teilweise wieder Kapazitäten aufbauen um den "alten Kram" herzustellen während sie ihre Produktion schon auf effizientere Chips umgebaut haben. Das machen die halt teilweise einfach nicht. Sie bekommen ja das gleiche Geld für einen 5nm Chip von z.B. Apple wie für einen deutlich älteren und ineffizienteren Chip für irgend ein Mercedes Bauteil. Und es werden halt paar mehr Handys, Notebooks, Kühlschränke und co etc. pp. als Autos verkauft.

  • Es ist eigentlich alles gesagt. Die OEMs sind ein kleiner Fisch der auch viele Anforderungen an flexible Abnahmemenge und vor allem Kostendruck hat. Das alles führt dazu, dass die Kapazität nachrangig bedient wird. Der Hebel der OEMs ist einfach viel zu klein. Das hat jahrelang funktioniert, weil die Produktion der Chips das "so nebenbei" verkraftet hat. Jetzt halt nicht mehr mit dem bekannten Ergebnis.

    Bei uns ist die Erwartungshaltung der Fachbereiche bei einer Vergabe einer Prüfung an einen externen Dienstleister immer: "Hey wir sind doch Porsche! Die müssen sich doch darum reißen für so eine Firma eine Prüfung durchzuführen."

    Die Realität beim Dienstleister ist aber: "Och nö. Wieder eine ungeplante kurzfristige Prüfung von Porsche mit nur 50T € Volumen und 30 Bedingungen. Da frühstücke ich lieber meine über Jahre geplanten und regelmäßigen Prüfungen für die Bahn ab."

  • Und ich mein die Produktionsanlagen waren doch 2019 auch bereits vorhanden womit man auskömmlich alle Sektoren bedienen konnte. Wo sind die Kapazitäten bitte schön hin?

    Warum soll sich das seit Ende 2019 bzw. März 2020 (also knapp vor Corona Ausbruch) so massiv verändert haben?

    https://www.handelsblatt.com/t…-v4JgihPHKzEDvBqFqkD1-ap1


    Kommt als verstärkender Faktor halt noch dazu, zum Rest wurde glaube ich jetzt alles gesagt.

  • Es ist eigentlich alles gesagt. Die OEMs sind ein kleiner Fisch der auch viele Anforderungen an flexible Abnahmemenge und vor allem Kostendruck hat. [...]
    Bei uns ist die Erwartungshaltung der Fachbereiche bei einer Vergabe einer Prüfung an einen externen Dienstleister immer: "Hey wir sind doch Porsche! Die müssen sich doch darum reißen für so eine Firma eine Prüfung durchzuführen."
    [...]

    Als MA eines Zulieferers muss ich sagen, dass ich ein Stück weit froh bin für die Branche dass den europäischen OEMs ihr Verhalten mal so richtig um die Ohren fliegt. Wie dort teils Geschäftsbeziehungen geführt wurden ging ja auf keine Kuhhaut. Klar, die meisten Zulieferer sind auf den Automarkt spezialisiert und entsprechend abhängiger als ein Chiphersteller, das wurde aber auch knallhart ausgenutzt.


    Asiatische OEMs sind da, was man so mitbekommt, deutlich bewusster im Umgang. Sprich, Mengen sind langfristiger fixe Bestellungen, die Verträge sind mit weniger % Fluktuation ausgestattet, und auch die Preisverhandlungen sind nicht jährlich angesetzt, weil sich ein neuer Einkäufer profilieren muss. Man sieht ja auch dass bspw. Toyota jetzt erst Produktionskapazitäten reduzieren muss, wohingegen Daimler, Audi und Co. schon seit Anfang des Jahres ihre Bänder teilweise angehalten haben.


    Dass die Branche aber mittelfristig daraus was lernt glaube ich eher nicht. X/

    Einmal editiert, zuletzt von koelsch ()

  • Sie lernen gar nicht.

    Im Moment werden Zulieferer die noch lieferfähig sind aktiv in den Ruin getrieben, bestellte Ware wird nicht abgenommen, weil ja andere Komponenten für die Fahrzeuge fehlen. Dann wird die Annahme der Lieferung verweigert und der Lieferant kann schauen wo er seine Ware einlagert.

    Natürlich wird die Ware auch nicht bezahlt, da man sie ja noch nicht erhalten hat.


    Auf der anderen Seite hat der Lieferant quasi erhöhte Produktionskosten in Kauf genommen um überhaupt lieferfähig zu bleiben und wird quasi doppelt abgestraft.